# Die VG Diespeck stellt die Weichen: Mehrheit spricht sich für Schulneubau aus
Sanierung oder kompletter Neubau? Diese Frage hat die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Diespeck seit längerer Zeit beschäftigt. Bei einer gemeinsamen Sitzung in der Schulaula in Diespeck fiel nun die Entscheidung: Die Mehrheit der Ratsmitglieder aus Diespeck, Baudenbach, Gutenstetten und Münchsteinach sprach sich für einen Neubau der Schule aus. Das Großprojekt könnte rund 35 Millionen Euro kosten und soll nach aktuellem Stand bis Ende 2029 fertiggestellt werden.
Rund 50 Ratsmitglieder kamen am Mittwoch zur Gemeinschaftssitzung zusammen, um über die Zukunft des Schulstandorts zu beraten. Im Raum standen zwei Varianten: eine Sanierung des bestehenden Gebäudes für geschätzte 23 Millionen Euro oder ein Neubau, der mit rund 35 Millionen Euro veranschlagt wird. Am Ende votierte die Mehrheit für den Neubau.
Ein wesentlicher Grund für diese Entscheidung waren die erheblichen Mängel am bestehenden Schulgebäude. Die Grundschule stammt aus dem Jahr 1965, die Mittelschule wurde Anfang der 1980er-Jahre fertiggestellt. Bei einer Bestandsanalyse wurden unter anderem Defizite beim Brandschutz, fehlende Rettungswege, eine marode Heizung, mangelnde Barrierefreiheit, eine schwierige Parksituation und ein schlechter energetischer Zustand festgestellt.
Hinzu kommt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagesbetreuung, der bis 2029 umgesetzt werden muss. Dafür wäre am bisherigen Standort zusätzlich eine Mensa nötig gewesen. Allein dafür standen rund drei Millionen Euro im Raum. Auch die Bauzeit einer Sanierung wurde kritisch gesehen, da der Unterricht über Jahre hinweg in einem Ausweichquartier, etwa in Containern, hätte stattfinden müssen.
Schulleiter Ulrich Schöttle und seine Stellvertreterin Anja Held sprachen sich ebenso für einen Neubau aus. Auch aus den Gemeinderäten kam deutliche Unterstützung. Baudenbachs Bürgermeister Wolfgang Schmidt bezeichnete eine Sanierung als Investition in einen „toten Standort“. Diespecks Bürgermeister Markus Helmreich verwies darauf, dass man mit Sanierungen bereits schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Noch offen ist allerdings die Standortfrage. Diskutiert wird über einen neuen Platz „auf der grünen Wiese“ in der Nähe des Sport- und Gemeindezentrums. Klar ist: Um die Fördermittel in Anspruch nehmen zu können, muss das Gebäude bis Ende 2029 bezugsfertig sein. Die Förderung könnte laut Sitzung bei rund 70 Prozent liegen.
Ganz ohne Bedenken verlief die Debatte nicht. Mehrere Ratsmitglieder warnten vor unkalkulierbaren Kosten. So sprach Siegfried Faust aus Gutenstetten von einer möglichen „Wundertüte an Kosten“. Auch aus dem Diespecker Bürgerforum kamen Zweifel, ob die finanzielle Belastung am Ende tragbar bleibt. Dennoch überwog in der Abstimmung die Einschätzung, dass eine Sanierung langfristig nicht die bessere Lösung wäre.
Nach rund drei Stunden fiel die Entscheidung schließlich bei acht Gegenstimmen zugunsten des Neubaus. Münchsteinach und Baudenbach stimmten geschlossen dafür, in Diespeck gab es Gegenstimmen aus dem Bürgerforum. Aus Gutenstetten lehnten drei Ratsmitglieder das Vorhaben ab. Eine Vertagung, wie sie aus Teilen des Gremiums angeregt wurde, kam nicht zustande. Laut VG-Kämmerer Timo von Westberg sei eine Entscheidung jetzt notwendig gewesen, da bei weiterem Aufschub Fördermittel in Höhe von 425.000 Euro gefährdet gewesen wären.
Auch zur späteren Nutzung des bestehenden Schulgebäudes gab es erste Einschätzungen. Laut Planer sei das Gebäude für Wohnraum ungeeignet. Denkbar wären eine Büronutzung oder ein Abriss.
Die Kosten, die nach Abzug von Fördermitteln bei den Gemeinden verbleiben, wurden ebenfalls benannt. Demnach müsste Diespeck rund 13,4 Millionen Euro tragen, Münchsteinach etwa vier Millionen Euro, Gutenstetten rund 4,3 Millionen Euro und Baudenbach etwa 4,5 Millionen Euro. Die endgültige Höhe hängt unter anderem von den jeweiligen Schülerzahlen ab.
**Kommentar der Redaktion:**
Wenn vier Gemeinden gemeinsam ein Projekt dieser Größenordnung stemmen, dann ist das kein kleiner Tagesordnungspunkt, sondern eine Entscheidung mit Wirkung für Jahrzehnte. Klar ist auch: 35 Millionen Euro lassen niemanden locker mit dem Kaffeebecher nicken. Aber wenn bei Brandschutz, Barrierefreiheit, Heizung und Ganztagsbetreuung so viele Baustellen zusammenkommen, wird aus „Die Schule geht doch noch“ schnell ein ziemlich teures „Irgendwie wird’s schon halten“. Ein Neubau ist teuer – eine Dauerbaustelle mit Überraschungen allerdings oft auch. Oder, um es fränkisch nüchtern zu sagen: Lieber einmal ordentlich planen als jahrelang am alten Gemäuer herumdoktern, bis der Taschenrechner selbst um Gnade bittet.



