Neustadt an der Aisch
Am Friedrich-Alexander-Gymnasium wurde es politisch, hitzig und stellenweise auch ziemlich direkt. Sieben Parteien, eine Aula und viele Fragen: Das sorgte bei den zehnten Klassen für eine Diskussion, die hängen blieb. Vor allem die Jugendlichen ließen sich nicht mit Floskeln abspeisen.
Vertreter:innen von Die Linke, Volt, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, CSU, FDP und AfD diskutierten am FAG mit den Schülerinnen und Schülern über Außenpolitik, Bildung sowie Umwelt- und Klimaschutz. Besonders bei der Außenpolitik gab es überraschend viel Einigkeit: Verteidigungsfähigkeit ja, aber nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch. Die Linke-Kreisrätin Chiara Kunze verwies auf die Unterstützung der Ukraine und die Bedeutung der EU, Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Zwanziger betonte die Rolle der Diplomatie.
Bei der Bildung wurde der Ton sachlich, aber deutlich. Es ging um Reformbedarf, um künstliche Intelligenz und um einen gerechten Start für junge Menschen. Zwanziger sprach sich für mehr Chancengleichheit aus, SPD-Mann Harry Scheuenstuhl nannte Bildung das „höchste Gut“. CSU-Landtagsabgeordneter Werner Stieglitz hielt dagegen und verteidigte das bestehende Schulsystem. Beim Klimathema wurde es dann kontrovers: AfD-Kreistagspolitiker Dr. Benno Bulitta stellte den menschengemachten Klimawandel infrage, bekam aber prompt Widerspruch aus der Schülerschaft.
Die Jugendlichen mischten sich mutig ein, fragten nach und widersprachen auch. Wegen der Hitze standen sogar kleine Ventilatoren auf den Tischen. Stieglitz brachte zudem ein Wasserkonzept für den trockenen Landkreis ins Gespräch. Am Ende blieb vor allem eines hängen: Politik wird spannend, wenn junge Leute mitreden.
Kommentar der Redaktion:
Politikerinnen und Politiker an Schulen sind wichtig. Demokratie lebt vom offenen Austausch und davon, dass junge Menschen unterschiedliche Positionen kennenlernen und kritisch hinterfragen.
Bemerkenswert war, dass der CSU-Vertreter das bestehende Schulsystem verteidigte. Dabei erleben Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte täglich die Realität: Lehrermangel, Unterrichtsausfälle und vielerorts eine Ausstattung, die den Anforderungen moderner Bildung nicht mehr gerecht wird. Reformbedarf ist offensichtlich.
Auch beim Thema Klimawandel wurde deutlich, dass viele Jugendliche fachlich gut informiert sind. Die wissenschaftliche Evidenz für den menschengemachten Klimawandel ist eindeutig. Der AfD-Vertreter stellte hingegen Behauptungen auf, die mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht vereinbar sind. Seine Nachfrage nach einer Quelle wirkte dabei weniger wie ein ernsthaftes Interesse an einer fachlichen Diskussion, sondern eher wie der Versuch, von der fehlenden wissenschaftlichen Grundlage der eigenen Argumentation abzulenken. Entsprechend deutlich fiel der Widerspruch der Schülerinnen und Schüler aus.
Die Diskussion hat gezeigt: Schulen sind der richtige Ort für politische Debatten – denn dort wird informiert, nachgefragt und kritisch gedacht. Genau dort haben wissenschaftliche Fakten und eine offene, respektvolle Diskussion ihren Platz.
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