# Neuhof bekommt „sprechende Bänke“: Geschichten aus dem Ort sollen hörbar werden
Neuhof – In Neuhof nimmt ein besonderes Projekt Fahrt auf: Die Marktgemeinde will ihre Geschichte künftig nicht nur erzählen, sondern direkt vor Ort hörbar machen. Mit sogenannten Erzählbänken soll ein Rundweg entstehen, an dem Bürgerinnen und Bürger per QR-Code in persönliche Erinnerungen und historische Geschichten aus Neuhof und den Ortsteilen eintauchen können.
Bürgermeisterin Claudia Wust möchte dazu im August durch den Marktgemeindebereich gehen und die Erinnerungen von Menschen aus dem Kernort und den Ortsteilen aufnehmen. Gesucht werden Berichte darüber, wie es früher in Neuhof war, wie Neuhof zur Heimat wurde, aber auch Zeitzeugen-Erinnerungen aus den Kriegsjahren und Geschichten zu prägnanten Gebäuden und historischen Ereignissen. Vorschläge nimmt die Bürgermeisterin gerne entgegen.
Die gesammelten Erzählungen sollen anschließend als Audiodateien aufbereitet werden. Abrufbar sein werden sie später an den Stationen des geplanten Neuhof-Rundwegs – ein Smartphone genügt dafür. Nach aktuellem Stand sind mindestens 15 Stationen vorgesehen. Wo diese genau entstehen, hängt auch davon ab, welche Geschichten zusammenkommen. An manchen Stellen sollen dafür noch Bänke aufgestellt werden.
Eine erste Station ist bereits gesetzt: Am Rübezahl-Brunnen vor dem Rathaus soll es eine Erzählbank geben. Dort hat Marktgemeinderätin Lydia Stoll, die als Dorfführerin und Tochter des früheren Bürgermeisters Ewald Doßler viel lokales Wissen mitbringt, bereits eine Audio-Datei zur Geschichte des Brunnens beigesteuert.
Im Kernort sollen die Stationen so nah beieinanderliegen, dass sie sich bequem zu Fuß erkunden lassen. Für die Ortsteile bietet sich dagegen eher eine Tour mit dem Fahrrad an.
Die Idee zu dem Projekt kam Bürgermeisterin Wust bei Geburtstags- und Ehejubiläumsbesuchen. Dort werde oft lebendig erzählt, erinnert und geschmunzelt, berichtete sie im Marktgemeinderat. Nur aufschreiben wolle man die Geschichten meist nicht. Genau das soll nun mit Hilfe von Audioaufnahmen anders werden. Später könnten die Inhalte bei Bedarf auch noch verschriftlicht werden.
Der Zeitpunkt passt bestens: In diesem Jahr feiert Neuhof seinen 777. Geburtstag. Bis zum Schäferfest am 20. September soll zumindest ein Teil der Stationen fertig und nutzbar sein. Die Resonanz ist bereits erfreulich groß, so Wust. Sogar drei Zusagen für Bankspenden habe es schon gegeben.
Über den Stand der Umsetzung informierte im Rat Max Fischer vom Büro „Compro IT“ aus Oberasbach, das fachlich begleitet. Dazu gehört die Aufbereitung der Audiodateien ebenso wie der Druck wetterfester Tafeln aus Alu-Verbundmaterial. Diese sollen an bereits vorhandenen Bänken oder Liegen angebracht werden. So bleibe die vorhandene Infrastruktur nutzbar, teure Fundamentarbeiten könnten vermieden werden, und die Gäste bekämen trotzdem einen Platz zum Verweilen.
Noch offen ist, welche digitale Umgebung die Erzählbänke am Ende begleiten wird. Denkbar ist die Nutzung einer bestehenden Audioguide-Plattform. Empfohlen wird aber die Einbettung direkt in die Gemeinde-Webseite. Der Vorteil: Kein App-Download, keine Hürde mehr als der QR-Code – und die Geschichten sind auch von zu Hause aus abrufbar.
Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 5000 Euro. Bezuschusst wird die Umsetzung mit bis zu 3700 Euro aus dem Regionalbudget des Amts für Ländliche Entwicklung.



