Neues aus dem Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim:

Gemeinsam zu mehr Wirtschaftskraft

+ Interkommunale Gewerbegebiete sollen Global Player in den Landkreis locken

* Wasserstoff, Windkraft, Autobahnen: Standortvorteile für neue Industrie
* Landrat fordert Masterplan gegen wirtschaftliche Abstiegszone

**Gemeinsame Gewerbegebiete im Landkreis? Landrat will Wirtschaft auf neues Niveau heben**

Der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim will wirtschaftlich stärker werden – und setzt dabei auf mehr Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. Landrat Dr. Christian von Dobschütz und die Wirtschaftsförderung denken über interkommunale Gewerbegebiete nach, um künftig auch größere Unternehmen in die Region zu holen. Die Idee: Kommunen sollen Flächen, Stärken und Chancen bündeln – und damit gemeinsam attraktiver für Investoren werden.

Schon heute haben viele bekannte Unternehmen ihren Sitz im Landkreis, etwa in den Bereichen Musik, Fahrzeugtechnik oder Sportartikel. Trotzdem liegt die Region bei der Wirtschaftskraft im bayernweiten Vergleich bislang eher im unteren Bereich. Nach Ansicht des Landrats könnte sich das künftig ändern. Zwei große Standortvorteile nennt er dabei besonders: Zum einen soll das Wasserstoff-Kernnetz durch den Landkreis verlaufen, zum anderen ist die Region gut an Autobahnen und Bundesstraßen angebunden – etwa über die A7 bei Langensteinach und die A3 bei Burghaslach.

Im Landratsamt laufen deshalb Überlegungen, welche Flächen im Landkreis für größere gewerbliche Entwicklungen geeignet wären. Solche Flächen seien bereits in den Blick genommen worden. Da sie jedoch in der Regel nicht dem Landkreis selbst gehören, sieht sich das Landratsamt eher als Vermittler, Unterstützer und Vermarkter.

Dr. Christian von Dobschütz betont, dass er alle 38 Kommunen im Landkreis und das Landratsamt als Partner auf Augenhöhe verstehe. Genau darin liege auch die Chance: Das Landratsamt könne Kontakte knüpfen, auf Messen und Netzwerktreffen werben und den Landkreis als Wirtschaftsstandort stärker sichtbar machen. Sein Ziel ist es, „Frankens Mehrregion“ auch als Wirtschaftsregion zu positionieren.

Einfach werde das allerdings nicht. Denn gerade beim Thema Gewerbegebiete spielt die kommunale Selbstverwaltung eine große Rolle. Dennoch ist der Landrat überzeugt, dass viele Gemeinden offen für neue Modelle sein dürften – auch weil zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen dringend gebraucht werden.

Unterstützung bekommt er dabei von Claus Seifert, dem früheren Bürgermeister von Scheinfeld, der nun in der Wirtschaftsförderung des Landkreises tätig ist. Seifert plädiert dafür, frühere Anfragen von Unternehmen systematisch auszuwerten. Denn Interesse an Ansiedlungen habe es in den vergangenen Jahren durchaus gegeben. Nun müsse man gezielt klären, ob und wo größere Unternehmen im Landkreis angesiedelt werden sollen.

Bislang seien größere Firmenansiedlungen oft eher zufällig entstanden. Das soll sich ändern. Seifert und seine Kollegin Julia Tschadarow wollen eine klare Struktur und Strategie entwickeln, um gezielt auch größere Unternehmen anzusprechen. Der Landkreis versteht sich dabei als „Entwicklungspartner“ und „Türöffner“. Ziel sei es auch, schwieriger nutzbare Flächen sinnvoll zu entwickeln.

Darüber hinaus könnte der Landkreis auch bei stockenden Projekten unterstützen, vermitteln und neue Impulse geben. Denkbar sei zudem, dass sich Landkreis und Kommunen Kosten und Einnahmen solcher Vorhaben teilen.

Ein weiterer Faktor könnte in Zukunft die Energie sein. So könnten sich energieintensive Unternehmen gezielt entlang des Wasserstoff-Kernnetzes ansiedeln oder direkt von erneuerbaren Energien profitieren – etwa über Leitungen zu benachbarten Windkraftanlagen. Der im Landkreis erzeugte Überschuss an regenerativer Energie könnte damit zu einem echten Standortvorteil werden. Für Logistikunternehmen wären dagegen eher Flächen in Autobahnnähe interessant.

Ganz neu ist der Gedanke gemeinsamer Gewerbegebiete nicht. In einigen Kommunen gibt es bereits entsprechende Überlegungen. Bekannt sind etwa Gespräche zwischen Neustadt an der Aisch und Diespeck über ein mögliches gemeinsames Gewerbegebiet. Der Landrat verweist außerdem auf das Gewerbegebiet GollIpp, das als Beispiel für erfolgreiche interkommunale Zusammenarbeit gilt.

Die Vorstellung im Landratsamt geht sogar noch weiter: Einige dieser interkommunalen Gewerbegebiete könnten bis zur Planreife vorbereitet werden, sodass Genehmigungen bereits vorliegen. Das würde die Vermarktung deutlich erleichtern. Erschlossen werden sollen solche Flächen dann idealerweise erst dann, wenn konkrete Interessenten vorhanden sind. Claus Seifert spricht in diesem Zusammenhang von einem „Masterplan“.

Im Fokus stehen dabei nicht nur Unternehmen aus der Region, sondern vor allem auch größere externe Firmen aus der Metropolregion. Der Landkreis sei dort bisher wirtschaftlich zu wenig präsent, findet von Dobschütz. Das Bild von Karpfen und Bier allein reiche nicht aus – auch das Thema Wirtschaft müsse stärker mitgedacht werden. Die Metropolregion Nürnberg solle für den Landkreis ein „internationaler Anker“ werden, von dem man mehr profitieren müsse. Dazu könnten künftig auch Bürostandorte gehören.

Konkrete Projekte wurden bislang noch nicht vorgestellt. Nach Angaben des Landrats handelt es sich derzeit um erste Ideen, die nun mit den Kommunen besprochen werden sollen. Das langfristige Ziel ist jedoch klar: Aus „Frankens Mehrregion“ soll stärker auch eine echte Wirtschaftsregion werden.

**Kommentar der Redaktion:**
Die Idee klingt vernünftig: Wenn einzelne Kommunen allein zu klein sind für die ganz großen Ansiedlungen, warum dann nicht gemeinsam auftreten? Fläche hier, Geld dort, gute Lage da – am Ende könnte daraus tatsächlich ein schlüssiges Gesamtpaket werden. Entscheidend wird aber sein, ob aus den vielen guten Gedanken auch echte, konkrete Projekte werden. Denn zwischen „Masterplan“ und erstem Spatenstich liegt bekanntlich oft noch ein ordentliches Stück fränkischer Ackerboden.

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