Markt Erlbach startet in die neue Ratsperiode – Grüne jetzt als eigene Fraktion vertreten
Mit frischen Gesichtern, einer neuen zweiten Bürgermeisterin und dem erklärten Ziel einer weiterhin fairen und sachlichen Zusammenarbeit ist der neue Markt Erlbacher Gemeinderat in seine Amtszeit gestartet. Bei der konstituierenden Sitzung stellte Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß die Weichen für die kommenden Jahre – und machte deutlich, worauf es ihr ankommt: Respekt, Verlässlichkeit und eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohl des Marktes.
Im neuen Markt Erlbacher Rat sind nun wieder vier Fraktionen vertreten, nachdem es zuletzt nur drei gewesen waren. Neu hinzugekommen sind Bündnis 90/Die Grünen als eigene Fraktion. Ebenfalls neu besetzt wurde das Amt der zweiten Bürgermeisterin: Einstimmig gewählt wurde Christina Nüssel von der CSU. Damit steht Markt Erlbach künftig mit zwei Frauen an der Spitze der Gemeinde da. Nüssel betonte nach ihrer Wahl, sie wünsche sich, dass die Zusammenarbeit weiterhin fair und ehrlich verlaufe und dass getroffene Absprachen eingehalten werden. In Abwesenheit wurde zudem Steffen Bien von der SPD als dritter Bürgermeister bestätigt.
Auch personell gibt es Veränderungen im Gremium: Insgesamt sieben neue Gemeinderatsmitglieder gehören dem Rat an. Sechs von ihnen wurden in der Sitzung vereidigt: Thomas Fleischmann und Moritz Hildner von der FWL, Matthias Mandel von der SPD, Nadine Paulus von Bündnis 90/Die Grünen sowie Dieter Popp und Martin Stieglitz von der CSU. Andreas Müller, ebenfalls für die Grünen im Rat, konnte an der Sitzung nicht teilnehmen.
Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß richtete sich nicht nur an die neuen Ratsmitglieder, sondern an das gesamte Gremium. Sie warb dafür, die vertrauensvolle und konstruktive Arbeit der vergangenen Jahre fortzusetzen. Für eine professionelle und lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Ratsmitgliedern, Fraktionen und Verwaltung seien Menschlichkeit im Umgang miteinander und Sacharbeit wichtiger als Selbstdarstellung. Fehler ließen sich nicht vermeiden, so Kreß, entscheidend sei aber eine offene und respektvolle Fehlerkultur. Von Seiten der Verwaltung sagte sie größtmögliche Transparenz zu und bat im Gegenzug darum, wichtige Informationen ebenfalls zeitnah weiterzugeben.
Dass die Grünen offen in die Ratsarbeit eingebunden werden, zeigte sich auch an mehreren Entscheidungen der Sitzung. Obwohl die Fraktion nur aus zwei Mitgliedern besteht, wurde ihr der Fraktionsstatus eingeräumt – bislang waren dafür drei Mitglieder notwendig. Zudem wurde der Rechnungsprüfungsausschuss um einen Sitz erweitert, damit auch die Grünen dort vertreten sind. Unverändert bleiben dagegen das Sitzungsgeld in Höhe von 45 Euro sowie der Verfügungsrahmen der Bürgermeisterin von 30.000 Euro.
Die meisten Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Diskussionsbedarf gab es allerdings beim Sitzungstag – ein Thema, das in Markt Erlbach schon länger immer wieder aufkommt. Klaus Adelhardt, unterstützt von Werner Stieglitz, sprach sich erneut dafür aus, die Sitzungen konsequent am ersten Freitag im Monat abzuhalten. Anna Wachtler hielt dagegen und verwies insbesondere auf Familien mit minderjährigen Kindern, für die Sitzungen in den Schulferien problematisch sein könnten. In der Geschäftsordnung wurde deshalb weiterhin nur „ein Freitag im Monat“ festgelegt. Beschlossen wurde sie gegen die Stimmen von Stieglitz und Adelhardt.
Bei den Fraktionssprechern bleibt es teilweise beim Bewährten: Für die CSU spricht weiterhin Gerd Eisenbeiß, für die SPD Volker Rudolph. Bei der Freien Wählerliste übernimmt Friedrich Täuber diese Aufgabe, bei den Grünen Nadine Paulus. Die Ausschüsse waren bereits im Vorfeld abgestimmt worden und wurden in der Sitzung bekanntgegeben.
Neu benannt wurden außerdem drei Beauftragte. Volker Rudolph bleibt Ansprechpartner für Städtepartnerschaftsangelegenheiten. Christina Nüssel und Matthias Mandel übernehmen gemeinsam die Belange von Kindern und Jugendlichen. Kulturbeauftragte ist Christine Hildner. Sie zeigte sich offen für eine Tandemlösung auch in ihrem Bereich, doch spontane Meldungen aus dem Rat blieben aus.
Eine weitere Neuerung betrifft die Wahl von Ortssprechern. Bislang war dafür ein Antrag nötig, der von mindestens einem Drittel der in einem Gemeindeteil wohnenden Bürgerinnen und Bürger unterschrieben sein musste. Künftig lädt die Gemeinde in den Ortsteilen, die nicht im Gemeinderat vertreten sind, von sich aus zu einer Versammlung ein. Dort können dann Ortssprecherinnen oder Ortssprecher gewählt werden. Betroffen sind die Altgemeinde Buchen mit Morbach und Oberulsenbach, die Altgemeinde Kotzenaurach mit Kappersberg, Knochenhof und Ziegelhütte, die Altgemeinde Losaurach mit Mosbach sowie die Altgemeinde Jobstgreuth mit Haaghof und Wilhelmsgreuth.
**Kommentar der Redaktion:**
Markt Erlbach zeigt zum Start der neuen Ratsperiode gleich mehrere Signale: mehr Beteiligung, mehr Frauen in Verantwortung und offenbar auch den ernsthaften Willen, neue Kräfte einzubinden. Dass die Grünen trotz kleiner Besetzung als Fraktion anerkannt wurden, ist ein Zeichen von politischer Fairness. Und wenn man sich in der Kommunalpolitik schon beim Sitzungstag streitet, dann ist das fast schon beruhigend – denn das zeigt: Die großen Grundsatzfragen scheinen erst einmal geklärt. Jetzt wird sich zeigen, ob der Wunsch nach Sacharbeit vor Selbstdarstellung auch im Alltag Bestand hat. Für Markt Erlbach wäre das auf jeden Fall die beste Nachricht.



