Originale auf der Neustädter Kerwa – Teil 2: Die Rot-Kreuz-Losbude
Noch vier Tage sind es, bis auf dem Neustädter Marktplatz wieder die Kerwa-Fichte in den Himmel ragt. Vier Tage, bis sich Neustadt wieder in jenen besonderen Ort verwandelt, den wir alle kennen und lieben. In einen Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und Geschichten.
Grund genug für den zweiten Teil unserer Serie **„Originale auf der Neustädter Kerwa“**.
Manche Originale haben einen Namen. Andere ein Gesicht. Und manche stehen einfach seit Jahrzehnten an ihrem Platz und gehören so selbstverständlich dazu, dass man sich die Kerwa ohne sie gar nicht mehr vorstellen kann.
So wie die Rot-Kreuz-Losbude.
Seit 1971 steht sie am Festplatz. Still, verlässlich und jedes Jahr aufs Neue bereit, tausende kleine Hoffnungen entgegenzunehmen. Für viele Neustädter ist sie weit mehr als nur eine Bude. Sie ist ein Stück Kindheit.
Wer hier als Bub oder Madla aufgewachsen ist, kennt dieses Gefühl noch genau. Die Münzen fest in der Hand, den Blick auf die vielen Gewinne gerichtet und die feste Überzeugung: *Heute ziehe ich den Hauptgewinn.*
Meistens wurde daraus natürlich nichts.
Aber so ist das mit den schönsten Erinnerungen. Man vergisst die vielen Nieten. Man erinnert sich nur an den einen Stoffbären, den man gewonnen hat. An das kleine Auto. An die Puppe. Oder einfach an das glückliche Gefühl, das man damals mit nach Hause genommen hat.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Losbude.
Denn sie verkauft nicht nur Lose. Sie verkauft seit Jahrzehnten kleine Momente des Glücks.
Bis heute gehört es für viele Kerwabesucher dazu, vor dem Heimweg noch einmal stehen zu bleiben. Ein letztes Los. Ein letzter Versuch. Ein letzter Plausch mit Bekannten. Und manchmal auch ein letzter Grund, noch ein paar Minuten länger auf der Kerwa zu bleiben.
Dabei war die Losbude lange Zeit noch mehr als nur ein Ort für Gewinne und Nieten. Bis vor rund zehn Jahren war sie gleichzeitig die Anlaufstelle des Sanitätsdienstes auf der Kirchweih. Wer Hilfe brauchte, wusste genau, wo er sie finden konnte.
Und auch hinter dem Tresen wurde immer Gemeinschaft gelebt.
Früher standen dort nicht nur ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes. Auch Beschäftigte der Stadt Neustadt, der Sparkasse oder der VR-Bank übernahmen Schichten und halfen mit. Die Losbude war damit ein kleines Abbild dessen, was eine Kerwa eigentlich ausmacht: Zusammenhalt.
Bis heute erfüllen die verkauften Lose einen guten Zweck. Die Einnahmen unterstützen die ehrenamtliche Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis und helfen dort, wo Hilfe gebraucht wird.
Wenn in wenigen Tagen wieder die ersten Lichter auf dem Festplatz leuchten, der Duft von Bratwürsten durch die Straßen zieht und die Kerwa ihre Tore öffnet, dann wird auch die Losbude wieder da sein.
Vielleicht ist sie nicht die lauteste Attraktion.
Vielleicht nicht die größte.
Aber ganz sicher eine derjenigen, die das Herz der Neustädter Kerwa seit Jahrzehnten mitprägen.
Und wer weiß?
Vielleicht steht in diesen Tagen wieder irgendwo eine Oma vor der Losbude, die hier schon als Madla ihren ersten Gewinn gezogen hat. Vielleicht zieht ein Vater mit seinem Sohn ein Los und erzählt dabei, wie er selbst als Rotzlöffel genau an derselben Stelle gestanden hat.
Und genau deshalb gehört die Rot-Kreuz-Losbude zu den wahren Originalen unserer Neustädter Kerwa.



