# Mittagsbetreuung oder Offener Ganztag? Neustädter Stadtrat diskutiert über die Zukunft der Kinderbetreuung
In der Neustädter Stadtratssitzung ging es eigentlich „nur“ um mehr Geld für die Mittagsbetreuung der AWO. Doch aus dem Defizitausgleich entwickelte sich schnell eine grundsätzliche Debatte: Soll Neustadt künftig weiter auf die bisherige Mittagsbetreuung setzen – oder wäre ein Offener Ganztag das bessere Modell? Klar ist schon jetzt: Die Stadt muss mehr Geld in die Hand nehmen, damit das bestehende Angebot gesichert bleibt.
Auslöser war das Defizit bei der AWO, die die Mittagsbetreuungen an den beiden Neustädter Grundschulen trägt. Zum Ende des vergangenen Schuljahres steht dort ein Minus von rund 43.000 Euro. Hauptgrund sind laut Stadt deutlich gestiegene Personalkosten. Zwar habe der Träger die Betreuungsgebühren bereits angepasst, dennoch lasse sich ein Defizit nicht vollständig vermeiden, so die Verwaltung.
Referent Alexander Swoboda erläuterte im Stadtrat, dass die Unterschiede zwischen Mittagsbetreuung und Offenem Ganztag in der Praxis gar nicht so groß seien. In beiden Modellen gibt es Hausaufgabenbetreuung, Mittagessen und pädagogische Angebote. Die Mittagsbetreuung sei rechtlich jedoch freier organisiert. Im Offenen Ganztag gebe es mehr Vorgaben, etwa bei Anwesenheitspflichten oder bei der Schülerbeförderung am Tagesende.
Für Diskussion sorgte vor allem der Vorstoß von David Muck (Grüne), der den Offenen Ganztag als das aus seiner Sicht bessere und verlässlichere Konzept bezeichnete. Er sprach sich dafür aus, diese Variante ernsthaft zu prüfen. Die engere Anbindung an die Schule und eine höhere Konstanz nannte er dabei als wichtige Vorteile. Die möglichen Mehrkosten wären aus seiner Sicht gerechtfertigt.
Heike Gareis (SPD) betonte dagegen, dass die bisherige Mittagsbetreuung qualitativ hochwertig arbeite. Sie erinnerte daran, dass sich Eltern in einer früheren Befragung mehrheitlich für dieses Modell ausgesprochen hätten. Deshalb plädierte sie dafür, vor einer Grundsatzentscheidung erneut die Eltern einzubeziehen.
Auch aus der Verwaltung und vom Bürgermeister kam Rückendeckung für die bisherige Arbeit der AWO. Swoboda lobte das Engagement der Mitarbeitenden ausdrücklich. Bürgermeister Alexander Müller (CSU) machte zum Sitzungsende deutlich, dass nicht der Eindruck entstehen dürfe, die Mittagsbetreuung sei ein schlechtes Angebot. Das sei ausdrücklich nicht der Fall, vielmehr leiste die AWO hervorragende Arbeit.
Am Ende stand dennoch zunächst die finanzielle Seite im Mittelpunkt. Der Stadtrat beschloss einstimmig, für das Schuljahr 2025/26 einen Defizitausgleich von knapp 20.000 Euro an die AWO zu zahlen. Außerdem wurde mehrheitlich entschieden, den jährlichen Zuschuss ab dem Kalenderjahr 2027 dauerhaft von bislang 13.500 Euro auf 33.500 Euro anzuheben. Damit soll verhindert werden, dass sich ähnliche Finanzierungslücken künftig erneut auftun.
Über die langfristige Zukunft der Ganztagsbetreuung in Neustadt will der Stadtrat zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher beraten. Dabei könnte auch eine neue Elternbefragung eine Rolle spielen.
**Kommentar der Redaktion:**
Gerade bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen sind unvorhergesehene Mehrkosten fast schon so verlässlich wie der Elternabend im Schuljahr. Eine Umfrage unter Eltern kann zwar Stimmungen einfangen, sie bildet aber oft nur den aktuellen Bedarf ab – und der kann sich schnell ändern. Deshalb braucht es hier Entscheidungen mit Weitblick, die pädagogisch sinnvoll und finanziell tragfähig sind. Kinderbetreuung ist für eine Stadt eben weit mehr als bloßes „Unterbringen“: Sie schafft Gemeinschaft, Freundschaften, Verlässlichkeit und fördert ganz nebenbei auch noch das soziale Miteinander. Und wenn man ehrlich ist: Für das, was dort geleistet wird, ist es am Ende eher gut investiertes Geld als teurer Luxus.



