Neues aus Neustadt:

Zukunftswald setzt auf Edelkastanien und kluge Pflanzideen

+ Klimawandel zwingt Neustadts Wälder zum radikalen Umbau

* Nelderrad soll Jungbäume effizienter und widerstandsfähiger machen
* Lochhiebe bieten Zukunftsbäumen bessere Chancen bei Hitze und Trockenheit

**Welche Bäume hat der Wald von morgen? Exkursion rund um Neustadt zeigt Wege aus der Klimakrise**

Wie sieht der Wald der Zukunft in unserer Region aus? Welche Baumarten kommen mit Hitze und Trockenheit besser zurecht – und wie kann der Waldumbau überhaupt gelingen, wenn Jungbäume knapp sind? Mit genau diesen Fragen hat sich jetzt eine Exkursion des Forums Zukunftswald rund um Neustadt an der Aisch beschäftigt. Dabei wurde deutlich: Der Wald von morgen wird anders aussehen als der, den wir heute kennen.

Schauplätze der Exkursion waren Wälder rund um die Kreisstadt Neustadt. Geleitet wurde der Tag von Dr. Christian Kölling, Bereichsleiter am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Fürth-Uffenheim, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Gernot Käßer und Benedikt Siegel.

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, steht der Waldumbau in Mittelfranken vor besonderen Herausforderungen. Die Region gilt wegen hoher Sommertemperaturen und vergleichsweise geringer Niederschläge sogar als „Bayerische Sahelzone“. Für die Wälder bedeutet das: Sie müssen an ein deutlich wärmeres und trockeneres Klima angepasst werden.

Dr. Kölling machte dabei klar, wie stark sich die Bedingungen in Zukunft verändern könnten. Bis zum Jahr 2100 werde sich das heutige Klima in Richtung Südfinnland verschieben, während bei uns zunehmend Verhältnisse wie in Südfrankreich oder Norditalien zu erwarten seien. Weil sich die natürliche Ausbreitung neuer Baumarten über viele Jahrhunderte hinziehen würde, müsse der Mensch nachhelfen.

In der Fachsprache nennt sich das „Assisted Migration“, also unterstützte Wanderung. Dabei werden gezielt Baumarten gepflanzt, die mit den künftigen Bedingungen besser zurechtkommen. Dazu zählen südliche Arten wie Edelkastanie, Atlaszeder und Zerreiche, aber auch heimische „Trockentalente“ wie Eiche, Elsbeere und Vogelkirsche.

Ein großes Problem beim Waldumbau sei allerdings der Mangel an Jungbäumen. Als mögliche Lösung stellte Kölling ein besonderes Pflanzverfahren vor: das sogenannte Nelderrad. Anders als bei klassischen Pflanzreihen werden die Bäume dabei kreisförmig gesetzt. Im inneren Bereich stehen die sogenannten Spielerbäume, außen herum die Trainerbäume. Diese bedrängen die inneren Bäume leicht und fördern so deren Wachstum.

Bei den Spielerbäumen handelt es sich meist um seltene und lichtbedürftige Arten. Die Trainerbäume bestehen dagegen aus heimischen, schattentoleranten Arten wie Rotbuche, Hainbuche oder Winterlinde. Ziel ist es, Samenbäume für die Zukunft zu schaffen, die später selbst zur Verbreitung klimastabiler Baumarten beitragen.

Ein Nelderrad umfasst nur 33 Bäume. Dadurch bleibt viel Platz für die natürliche Verjüngung – also für Bäume, die aus Samen direkt vor Ort aufwachsen. Diese Mischung aus gezielter Pflanzung und natürlichem Nachwuchs wird als „Anreicherungskultur“ bezeichnet. Wer sich das anschauen möchte: Mehrere solcher Nelderräder gibt es im Streitwald südöstlich von Neustadt.

Auch die Frage nach dem besten Standort für junge Zukunftsbäume spielte bei der Exkursion eine wichtige Rolle. Gepflanzt wird hier nicht im Schatten alter Bäume, sondern bewusst auf Freiflächen. Im Revier von Gernot Käßer gibt es dafür mehrere sogenannte Lochhiebe – Flächen von etwa 600 bis 900 Quadratmetern, auf denen alle Bäume entfernt wurden.

Nach den Erkenntnissen der Forstleute bieten diese Flächen gute Bedingungen für Jungbäume. Sie bekommen dort viel Licht, ohne gleich zu verbrennen, weil die umliegenden Randbäume je nach Sonnenstand wandernden Schatten spenden. Eine von Benedikt Siegel erstellte Grafik zeigte außerdem: In solchen Lochhieben steht an trockenen Tagen mehr Wasser zur Verfügung als im dichten Wald.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ohne große Altbäume fehlt den jungen Pflanzen die Konkurrenz um Wasser. Zudem erreicht auch geringer Niederschlag den Boden besser, weil er nicht schon in den Baumkronen hängen bleibt oder dort verdunstet.

Wie ein möglicher Zukunftswald konkret aussehen kann, zeigte ein weiterer Exkursionspunkt im Privatwald eines Waldbesitzers. Dort konnten die Teilnehmer die mit rund 35 Metern höchsten Edelkastanien Bayerns besichtigen. Diese Bäume werden bereits beerntet. Aus ihren Samen werden junge Edelkastanien gezogen, die später in anderen Wäldern ausgepflanzt werden.

Trotz aller Fortschritte betonten Kölling und sein Team, dass beim Umgang mit neuen Baumarten noch längst nicht alle Fragen beantwortet seien. Deshalb setzt man auch auf den Austausch mit Forstfachleuten aus Unterfranken, Baden-Württemberg und Österreich. Diese Vernetzung sei wichtig, um Erfahrungen zu teilen – und um die Wälder fit für die Zukunft zu machen.

**Kommentar der Redaktion:**
Der Waldumbau klingt oft nach trockenem Fachthema – ist aber in Wahrheit eine der spannendsten Zukunftsfragen direkt vor unserer Haustür. Denn ob unsere Wälder in einigen Jahrzehnten noch Schatten spenden, Wasser speichern, Lebensraum bieten und auch wirtschaftlich genutzt werden können, entscheidet sich schon heute. Und ja: Wenn in Mittelfranken plötzlich Edelkastanien Karriere machen, merkt man, wie ernst die Lage wirklich ist. Trotzdem zeigt die Exkursion auch: Es gibt Ideen, Fachwissen und Menschen, die nicht nur zusehen, sondern handeln. Genau das braucht der Wald jetzt.

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