## Baustellenkino in Neustadt: Großer Saal wird komplett modernisiert
Im Neustädter Kino wird aktuell nicht nur Filmgeschichte gezeigt, sondern auch kräftig umgebaut: Der große Saal 1 im Erdgeschoss ist derzeit eine echte Baustelle. Während dort entkernt, abgerissen und neu aufgebaut wird, läuft der Kinobetrieb in Saal 2 ganz normal weiter. Kinobetreiber Oliver Rögner hat ein klares Ziel: Schon bald sollen die Besucherinnen und Besucher deutlich mehr Komfort, bessere Sicht und ein modernes Kinoerlebnis genießen können.
Seit dem 20. April sind die Handwerker vor Ort im Einsatz. Im großen Saal wurde bereits die Erde für eine neue Bodenplatte ausgehoben, die Decke entfernt, die Unterkonstruktion abgebaut und der Putz von den Wänden geschlagen. Vom bisherigen Saal ist kaum noch etwas zu erkennen. Der neu geschaffene Raum zwischen Boden und Decke soll künftig für eine ansteigende Sitzkonstruktion genutzt werden. So soll jeder Gast freie Sicht auf die Leinwand haben – selbst dann, wenn direkt davor ein besonders groß gewachsener Kinofan sitzt.
Die Zeit drängt beim Umbau, denn Rögner möchte spätestens zum Start des neuen Eberhofer-Krimis fertig sein. Gleichzeitig läuft im Juli auch das Förderprogramm aus, aus dem das Projekt unterstützt wird. Das Neustädter Kino wurde noch rechtzeitig in das „Zukunftsprogramm Kino“ der Bundeszentrale für Kultur und Medien aufgenommen. Laut Rögner war der Fördertopf bereits eine halbe Stunde nach Freischaltung ausgeschöpft. Da vor allem Kinos in Städten unter 50.000 Einwohnern gefördert werden, gehört Neustadt genau zur Zielgruppe. Für den Umbau des Saals, der auf rund 150.000 bis 200.000 Euro geschätzt wird, hofft Rögner auf eine Förderung von 65 Prozent. Zusätzlich gibt es Unterstützung vom Bayerischen Film- und Fernsehfonds.
Seit Beginn der Bauarbeiten lebt Rögner praktisch im Kino. Sein Tag beginnt derzeit um 7 Uhr morgens und endet oft erst gegen 23 Uhr. Zehn Wochen Bauzeit sind maximal eingeplant. Zum Glück gehört zum Gebäude auch eine kleine Wohnung, sodass er nicht wirklich im Baustellenstaub übernachten muss. Denn neben dem Komfort für die Gäste soll das Kino auch energetisch fit für die Zukunft gemacht werden.
Oliver Rögner hatte das Kino 2011 übernommen, nachdem es zuvor rund fünf Jahre leer gestanden hatte. Ursprünglich wurde das Lichtspielhaus bereits 1918 in Neustadt eröffnet. Nun soll es Schritt für Schritt zukunftsfähig gemacht werden. Geplant war auch, die ehemalige Gaststätte „Fränkischer Hof“ in ein neues Kinofoyer umzuwandeln. Dieses Vorhaben liegt aktuell jedoch auf Eis, weil der Bauantrag noch nicht genehmigt ist und die dafür vorgesehene Förderung inzwischen verfallen ist.
Im Rahmen der aktuellen Sanierung werden auch energetische Maßnahmen umgesetzt. Geplant sind eine Boden- und Innendämmung sowie eine Klimatisierung des Kinosaals. Eine Wärmepumpe wurde bereits bei der Dachsanierung eingebaut, zudem ist eine Photovoltaikanlage installiert. Damit soll das Kino künftig übers Jahr sogar mehr Strom produzieren, als es selbst benötigt, und überschüssige Energie ins Netz einspeisen.
Für die Gäste bedeutet der Umbau vor allem: mehr Komfort. Ab Juni sollen bessere Sitze, eine angenehmere Atmosphäre, optimierte Akustik und freie Sicht auf die Leinwand geboten werden. Allerdings wird es dafür künftig weniger Plätze geben. Statt bisher 144 Sitzen wird Saal 1 nach dem Umbau nur noch 74 Plätze haben. Durch die neue ansteigende Tribüne gehen zusätzlich noch einmal einige Plätze verloren.
Bei den Arbeiten sind überwiegend regionale Handwerksbetriebe im Einsatz. Für spezielle Aufgaben wie Wandbespannung, Akustikdecken oder den Leinwandrahmen setzt Rögner auf Fachfirmen aus dem Kinobereich. Praktisch für die Bauplanung: Die Neustädter Kirchweih fällt genau in die Umbauphase. Während auf dem Festplatz gefeiert wird, kann im Kino ungestört gearbeitet werden.
Trotz aller Modernisierung soll der besondere Charme des über hundert Jahre alten Hauses erhalten bleiben. Viele bestehende Elemente, darunter auch alte Lampen, sollen später wieder in die neuen Räume integriert werden. Seit dem Kauf des Gebäudes schätzt Rögner das gesamte Investitionsvolumen auf rund 750.000 Euro. Ein kompletter Neubau auf der grünen Wiese wäre sicher einfacher gewesen, sagt er selbst. Doch ihm gehe es bewusst auch darum, das Leben in der Innenstadt zu stärken.
Denn für Rögner ist klar: Kino ist Kultur. Vom Mitmachkino für Kinder bis hin zum Seniorenprogramm soll das Angebot für alle Generationen attraktiv bleiben. Und wer jetzt denkt, wegen der Baustelle müsse man in Neustadt ganz auf Kino verzichten, liegt falsch: In Saal 2 laufen weiterhin Filme. Ein aktueller Geheimtipp des Kinobetreibers ist „Ein Sommer in Italien“, eine deutsche Dokumentation über den WM-Titel der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 1990.
**Kommentar der Redaktion:**
Wer in Neustadt ins Kino geht, bekommt bald offenbar nicht nur Popcorn und Film, sondern auch ein ordentliches Upgrade. Dass ein traditionsreiches Haus aus dem Jahr 1918 nicht einfach aufgegeben, sondern mit viel Einsatz modernisiert wird, ist für die Innenstadt ein starkes Signal. Gerade in Zeiten, in denen vielerorts Kulturangebote verschwinden, ist so ein Projekt alles andere als selbstverständlich. Und ganz ehrlich: Wenn man künftig selbst hinter einem Zwei-Meter-Mann noch freie Sicht auf die Leinwand hat, ist das fast schon eine kleine fränkische Sensation.



