# **Billigmode bringt die Altkleidersammlung unter Druck**
## **Weniger Qualität, mehr Probleme: Auch im Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim spürt die Abfallwirtschaft die Folgen von Fast Fashion**
Neustadt a. d. Aisch – Wegwerfmode ist längst kein reines Großstadt- oder Onlineproblem mehr. Auch im Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim macht sich der Wandel auf dem Altkleidermarkt bemerkbar. Im Abfallausschuss war die Lage jetzt Thema – und Landrat Dr. Christian von Dobschütz nannte sie ein „hochemotionales Thema“.
Gemeint ist vor allem die sogenannte Fast Fashion: billige, oft qualitativ minderwertige Kleidung aus dem Versandhandel, die schnell gekauft und noch schneller wieder aussortiert wird. Für die Altkleidersammlung hat das Folgen. „Auch wir haben mit dem Qualitätsverlust zu kämpfen“, erklärte Gerhard Droßel, Leiter der Abfallwirtschaft. Im Landkreis sei der Anteil an Fehlinhalten zwar „einigermaßen gering“, dennoch sinke durch die schlechte Qualität der Kleidung der Anteil dessen, was noch recycelt werden kann. Ein Teil der Alttextilien könne am Ende nur noch thermisch verwertet, also verbrannt, werden.
Doch nicht nur die Mode selbst sorgt für Probleme. Auch neue Vorgaben der EU, etwa die Getrenntsammlungspflicht, sowie die eingebrochenen internationalen Absatzmärkte belasten das System. Früher gingen größere Mengen der gesammelten Kleidung unter anderem nach Russland. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine ist dieser Weg weitgehend weggebrochen. Stattdessen wird mehr Ware nach Afrika exportiert. „Der Markt ist in Unruhe geraten, wegen der Weltlage“, fasste von Dobschütz die Situation zusammen.
Hinzu kommt: Selbst Markenartikel bestehen heute teils aus Dutzenden verschiedener Fasern. Für Recycling ist das ein echtes Hindernis. Das bisher über Jahrzehnte funktionierende System aus gewerblichen Sammlern und gemeinnützigen Organisationen gerät dadurch zunehmend ins Wanken. In vielen Städten und Landkreisen würden Altkleidercontainer bereits abgebaut, so Droßel.
Ein weiteres Problem sind überfüllte oder schlecht geleerte Container. Dort lande dann schnell auch noch anderer Müll – von Hausmüll bis Sperrmüll. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern macht die Sammlung zusätzlich unbrauchbar.
## **Abfallwirtschaft sieht sich gut aufgestellt**
Ganz hilflos steht der Landkreis der Entwicklung jedoch nicht gegenüber. Droßel verwies auf mögliche Lösungen wie ein Thekenmodell auf den Wertstoffhöfen. Dabei geben Bürgerinnen und Bürger ihre Altkleider direkt an Mitarbeitende ab. Das soll die Annahme besser kontrollierbar machen und Fehlwürfe reduzieren.
Auch politisch soll sich etwas tun. Die Bundesregierung plant, Hersteller künftig stärker in die Verantwortung zu nehmen. Ziel ist mehr Kreislaufwirtschaft, weniger Fast Fashion und eine geregeltere Sammlung und Verwertung. Die Unternehmen sollen sich an den Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling beteiligen – ein Prinzip, das in anderen Branchen längst üblich ist. Als möglicher Starttermin steht inzwischen eher 2027 als 2026 im Raum.
Für den Landkreis bedeutet die Krise bislang allerdings keine akute Finanzfalle. Zwar gebe es seit Jahresbeginn keine Zuschüsse mehr für Alttextilien, ein Minus entstehe aber aktuell nicht. „Bisher fallen noch keine Zuzahlungen an den nachgelagerten Verwerter an. Wir stehen ganz gut da“, so Droßel. Zudem arbeitet die Abfallwirtschaft des Landkreises in einer Arbeitsgruppe des bayerischen Landkreistags mit und bringt sich dort mit konkreten Vorschlägen ein.
Wichtig ist der Verwaltung auch, die Bevölkerung richtig zu informieren. Gut erhaltene Kleidung darf weiterhin in Altkleidercontainer oder zu Sozialkaufhäusern gebracht werden. Zerschlissene oder stark verschmutzte Textilien gehören dagegen in den Restmüll. Stark verunreinigte Stoffe, etwa mit Öl oder anderen Schadstoffen, dürfen nicht in die Sammlung. Und natürlich gilt: An überfüllten Containern hat anderer Müll nichts zu suchen – der gehört über die regulären Tonnen oder die Sperrmüllsammlung entsorgt.
**Kommentar der Redaktion:**
Fast Fashion klingt nach Trend, ist aber in Wahrheit oft eher Wegwerfware mit Laufzeitgarantie bis zum nächsten Waschgang. Für die Altkleidersammlung ist das ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm mit Löchern. Umso wichtiger ist es, bewusst zu kaufen – und gut Erhaltenes wirklich weiterzugeben. Denn was noch tragbar ist, sollte nicht in der Tonne enden.



