# Autonomes Fahren: Warum eigentlich nicht im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim?
Die Idee klingt faszinierend: Zwischen Nürnberg und Fürth sollen künftig autonome Fahrzeuge pendeln. Die Oberbürgermeister Marcus König und Thomas Jung haben diese Vision von einer Reise nach China mitgebracht. Dort gehören fahrerlose Taxis in einigen Städten bereits zum Alltag.
Die historische Strecke zwischen Nürnberg und Fürth soll nun erneut zum Symbol für eine verkehrstechnische Revolution werden. Spätestens 2035, zum 200-jährigen Jubiläum der ersten deutschen Eisenbahn, könnte dort ein autonomes Verkehrssystem entstehen.
Doch bei aller Begeisterung drängt sich eine Frage auf:
Warum wird die Mobilität der Zukunft wieder dort getestet, wo bereits heute hervorragende Verkehrsverbindungen bestehen?
Zwischen Nürnberg und Fürth fahren S-Bahn, Regionalzüge, U-Bahn und Busse in dichter Taktung. Wer kein Auto besitzt, kommt dort dennoch problemlos von A nach B.
Ganz anders sieht die Situation im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim aus.
Viele Menschen in unserer Region sind auf das Auto angewiesen. Wer von Wilhelmsdorf nach Neustadt, von Markt Erlbach nach Emskirchen oder von einem kleineren Ort zu einem Arzttermin fahren möchte, stößt mit dem öffentlichen Nahverkehr oft an Grenzen. Busse fahren teilweise nur wenige Male am Tag, manche Verbindungen erfordern lange Wartezeiten oder Umwege.
Gerade hier könnten autonome Fahrzeuge einen echten Unterschied machen.
Statt großer Linienbusse, die häufig nur mit wenigen Fahrgästen unterwegs sind, könnten kleine autonome Shuttlebusse flexibel zwischen den Orten verkehren. Per App oder Telefon bestellt, könnten sie Menschen zum Bahnhof, zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Arbeit bringen.
Besonders ältere Menschen würden profitieren. Viele Seniorinnen und Senioren leben selbstständig in ihren Heimatorten, verlieren aber irgendwann die Möglichkeit, selbst Auto zu fahren. Für sie bedeutet Mobilität oft auch Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe.
Auch für Jugendliche wäre ein besserer Nahverkehr ein Gewinn. Wer abends Freunde besuchen, Sport treiben oder eine Veranstaltung besuchen möchte, ist häufig auf die Eltern angewiesen.
Dabei wäre gerade der ländliche Raum ein ideales Testfeld. Die Verkehrsströme sind überschaubarer als in einer Großstadt. Die Geschwindigkeiten sind geringer. Und der Nutzen für die Bevölkerung wäre unmittelbar spürbar.
Wenn wir über die Mobilität der Zukunft sprechen, sollten wir nicht nur dort investieren, wo bereits ein gutes Angebot vorhanden ist. Die eigentliche Herausforderung liegt dort, wo Menschen heute noch keine echte Alternative zum eigenen Auto haben.
Autonomes Fahren darf nicht nur ein Prestigeprojekt für Großstädte werden. Es könnte vielmehr eine Chance sein, den ländlichen Raum zu stärken und Mobilität neu zu denken.
Vielleicht sollte die Frage deshalb nicht lauten: Warum zwischen Nürnberg und Fürth?
Sondern: Warum nicht zwischen Neustadt und Emskirchen, zwischen Markt Erlbach und Bad Windsheim oder zwischen den vielen kleineren Orten unseres Landkreises?
Denn dort, wo Mobilität heute schwierig ist, könnte die Zukunft den größten Unterschied machen.
Mein Kommentar: Warum bis 2035 warten?
Die Idee autonomer Fahrzeuge zwischen Nürnberg und Fürth finde ich grundsätzlich spannend. Allerdings frage ich mich, warum wir in Deutschland bei Zukunftstechnologien immer noch in Zeiträumen von zehn oder mehr Jahren denken.
Ich selbst habe bereits vor drei Jahren bei einem Urlaub in San Francisco autonome Taxis erlebt. Damals waren sie noch eine Besonderheit. Heute gehören sie dort vielerorts ganz selbstverständlich zum Stadtbild. Tausende Fahrgäste nutzen diese Fahrzeuge regelmäßig. Sie bringen Menschen zuverlässig ans Ziel, sammeln Erfahrungen im realen Straßenverkehr und entwickeln sich ständig weiter.
Während in Teilen der USA und Chinas autonome Fahrzeuge bereits Alltag sind, diskutieren wir in Deutschland darüber, ob zwischen Nürnberg und Fürth vielleicht bis zum Jahr 2035 eine erste Verbindung entstehen könnte.
1. Das sind noch neun Jahre.
Ganz ehrlich: Dieser Zeithorizont wirkt auf mich wie ein weiteres Signal dafür, dass Deutschland technologisch immer häufiger hinterherläuft, statt vorneweg zu gehen. Während andere Länder neue Technologien testen, verbessern und einsetzen, diskutieren wir über Zuständigkeiten, Genehmigungen und Pilotprojekte.
Dabei wäre die Technologie gerade für den ländlichen Raum ein echter Gewinn.
Zwischen Nürnberg und Fürth gibt es bereits U-Bahn, S-Bahn, Regionalzüge und Busse. Dort ist Mobilität heute schon gut möglich.
Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sieht die Realität anders aus. Viele Menschen sind auf das Auto angewiesen. Wer keinen Führerschein besitzt, älter wird oder einfach nicht selbst fahren möchte, stößt schnell an Grenzen.
Genau hier könnten autonome Kleinbusse oder Shuttles einen echten Mehrwert schaffen. Sie könnten Bahnhöfe, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze miteinander verbinden. Sie könnten älteren Menschen mehr Selbstständigkeit ermöglichen und Jugendlichen mehr Freiheit geben.
Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir nicht nur über Prestigeprojekte in Großstädten sprechen, sondern über konkrete Lösungen für Regionen, in denen Mobilität heute tatsächlich ein Problem ist.
Die Zukunft der Mobilität sollte nicht erst 2035 beginnen. Sie fährt längst auf den Straßen anderer Länder. Die Frage ist nur, wann wir bereit sind, aufzusteigen.
Das war der Senf von Christian Pöschl zum heutigen Thema. Ob euer Senf süß, scharf oder extra scharf ist – ich bin gespannt auf eure Meinung.
Bild: KI generiert, so sehen die Taxis in SF aus und würden sich auch in Franken gut machen
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