Neues aus dem Landkreis:

Sorge um das geplante „Netzpaket“

+ Gefahr für erneuerbare Energien durch Netzpaket

* Kürzung der Einspeisevergütung für Photovoltaik
* Aufruf zur Unterstützung der Energiewende vor Ort

# Landkreis-Grüne warnen vor Folgen des geplanten „Netzpakets“

Was auf Bundesebene beschlossen wird, kann auch im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim ganz konkrete Auswirkungen haben. Genau davor warnt jetzt der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen: Die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Änderungen im sogenannten „Netzpaket“ könnten nach Einschätzung der Partei den Ausbau erneuerbarer Energien in der Region deutlich bremsen – und damit auch Arbeitsplätze sowie kommunale Einnahmen gefährden.

Anlässlich des bundesweiten Aktionstags „Rettet die Erneuerbaren“ am 18. April machte der Kreisverband auf die Bedeutung der Energiewende vor Ort aufmerksam. Nach Angaben der Grünen ist die Region beim Ausbau erneuerbarer Energien bereits gut aufgestellt: Durch Windkraft, Photovoltaik, Biogas und Speicher werde derzeit rund 1,8-mal mehr Strom erzeugt als vor Ort verbraucht. Dieser Ausbau habe nicht nur zur regionalen Energieversorgung beigetragen, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen und den Kommunen zusätzliche Steuereinnahmen gebracht.

Kritisch sehen die Grünen nun vor allem mögliche Änderungen bei der Abnahmegarantie für Strom aus neuen Wind- und Solarparks. Sollte diese tatsächlich entfallen, könnten laufende und geplante Projekte deutlich schwerer umsetzbar werden. Als Beispiel nennt der Kreisverband die geplanten Bürgerwindräder im Schußbachwald bei Bad Windsheim. Auch neue kommunale Initiativen könnten dadurch bereits in einem frühen Stadium ausgebremst werden.

Zusätzlich befürchten die Grünen Einschnitte bei der Einspeisevergütung für Dach-Photovoltaikanlagen. Das könne dazu führen, dass weniger Dächer mit Solaranlagen ausgestattet werden, Handwerksbetriebe weniger Aufträge erhalten und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten wieder steige. Gerade mit Blick auf internationale Krisen und unsichere Weltmärkte sei Energiesouveränität aus ihrer Sicht wichtiger denn je.

In einer Pressemitteilung erklärt Kreisrätin Ruth Halbritter: „Der Aktionstag ist ein klares Signal: Wir dürfen uns nicht von kurzfristigen politischen Entscheidungen die Energiewende in unserer Region aushöhlen lassen.“ Fraktionsvorsitzender David Muck ergänzt: „Nur mit verlässlicher Planungssicherheit können wir Arbeitsplätze sichern, bezahlbaren Strom garantieren und mehr Unabhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen erreichen.“

Als Beispiele für eine aus Sicht der Grünen gelungene Energiewende im Landkreis und in der Region werden unter anderem das Stadtwindrad der Stadt Uffenheim, die Bürgerenergiegenossenschaft „Regional versorgt“ sowie verschiedene Biomasse-Nahwärmenetze genannt. Bundesweit decken erneuerbare Energien inzwischen mehr als die Hälfte der Stromerzeugung ab. Beim gesamten Endenergieverbrauch für Strom, Wärme und Mobilität liege der Anteil allerdings erst bei 24 Prozent.

Gerade darin sieht der Kreisverband weiteres Potenzial – etwa beim Ausbau netzdienlicher Batteriespeicher, digitaler Stromnetze und bei der Wasserstoffproduktion. Gefordert wird deshalb, das geplante Netzpaket in der vorliegenden Form zu stoppen und stattdessen die Modernisierung der Energiesysteme voranzutreiben.

Die Grünen rufen Entscheidungsträger, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger im Landkreis dazu auf, die Energiewende vor Ort weiter zu unterstützen und faire Beteiligungsmodelle zu stärken, damit die regionale Wertschöpfung in der Heimat bleibt.

**Kommentar der Redaktion:**
Wenn es um Energie geht, ist das Thema oft sperriger als ein alter Sicherungskasten im Keller. Klar ist aber: Was in Berlin beschlossen wird, landet am Ende auch auf dem Dach, auf dem Feld und auf der Stromrechnung bei uns vor Ort. Gerade in einer ländlichen Region, in der Bürgerenergie, Solar und Windkraft längst keine graue Theorie mehr sind, schauen viele genau hin. Ob das „Netzpaket“ am Ende wirklich zur Bremse wird, muss sich zeigen – die Sorgen darüber sind jedenfalls nicht aus der Luft gegriffen. Und wie so oft gilt: Wenn man Investitionen will, sollte man den Leuten vorher nicht den Stecker ziehen.

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