Neues aus Mittelfranken:

Scheinfelder Hilfe soll Kommunen auf Krisen vorbereiten

+ Flüchtlingskrise bleibt akut: Scheinfeld warnt vor neuer Notlage

* Helferkreis zeigt: Integration gelingt nur mit Sprache und Netzwerk
* Broschüre liefert Bürgermeistern konkrete Hilfe für Flüchtlingskrisen

# „Willkommen in Deutschland“?! – Erfahrungen aus Scheinfeld sollen Kommunen im Landkreis helfen

Was tun, wenn plötzlich viele Geflüchtete vor Ort ankommen – und vieles schnell, pragmatisch und menschlich organisiert werden muss? Genau darüber haben Bernd Klatt und Thomas Kreitschmann vom Helferkreis Asyl der Stadt Scheinfeld jetzt bei der Bürgermeisterdienstversammlung im Neustädter Landratsamt gesprochen. Ihre Botschaft: Die nächste Flüchtlingslage kann jederzeit kommen – und dann hilft vor allem eines: vorbereitet sein.

Auch wenn die Notunterkunft für Asylsuchende in Scheinfeld bereits im September 2025 aufgelöst wurde, ist das Thema für die beiden Ehrenamtlichen längst nicht abgeschlossen. Mit Blick auf die weltweiten Krisen – etwa im Iran, im Gaza-Streifen, im Jemen oder im Sudan – sei klar, dass die Lage keineswegs dauerhaft entspannt ist.

Bei der Versammlung der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landkreises Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim gaben Klatt und Kreitschmann ihre Erfahrungen aus der praktischen Flüchtlingshilfe weiter. In Scheinfeld habe man damals viele Notsituationen erlebt – oft unvorbereitet und unter großem Zeitdruck. Dass die Stadt dadurch einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen würde, habe im Vorfeld kaum jemand erwartet.

Um andere Kommunen für mögliche ähnliche Situationen besser zu wappnen, brachten die beiden eine Broschüre mit in den Sitzungssaal. Sie trägt im Kern eine zentrale Frage: „Wie kann ich Geflüchtete sinnvoll unterstützen?“ Darin haben sie praktische Erfahrungen, Hinweise und Lösungsansätze aus der Scheinfelder Arbeit zusammengefasst.

Besonders deutlich wurde dabei: Die Ausgangslage ist für alle Beteiligten schwierig. Viele Geflüchtete kommen zunächst in Gemeinschaftsunterkünften unter, ohne sofortige Perspektive auf Arbeit oder eigenen Wohnraum. Gleichzeitig ist zu Beginn oft noch unklar, ob und wann ein Asylantrag bewilligt wird. Nach Ansicht des Helferkreises hängt ein gelingender Start in Deutschland aber vor allem an zwei Punkten: Sprachkenntnissen und dem Verständnis für die hiesige Kultur und Abläufe.

In Scheinfeld setzte man deshalb früh auf ein funktionierendes Netzwerk. Ziel war es, Probleme im Zusammenleben möglichst rasch zu erkennen und zu lösen. Die Devise lautete laut Helferkreis: nicht warten, sondern anpacken. Auch wenn nicht alles zufriedenstellend verlaufen sei und es Rückschläge gegeben habe, ziehen die Ehrenamtlichen insgesamt ein positives Fazit. Der Einsatz für ein friedliches und gerechtes Miteinander von Scheinfelder Bürgern und den Menschen in der Notunterkunft habe sich gelohnt.

Wichtig war dabei vor allem die Zusammenarbeit vieler Stellen: Sicherheitsbehörden, Kommune, Landratsamt und Ehrenamtliche arbeiteten in Scheinfeld eng zusammen. Dafür wurden verschiedene Kommunikationskreise gegründet. Ebenso entscheidend sei gewesen, die Zuständigkeiten auch für die Asylsuchenden selbst transparent zu machen.

Die Broschüre greift deshalb viele ganz praktische Fragen auf: Wie sieht eine Aufenthaltsgestattung aus? Was ist zu tun, wenn ein wichtiges Dokument verloren geht? Wie kommt man von Scheinfeld in andere Orte – und möglichst günstig? Wo befindet sich das Fundbüro? An wen wendet man sich, wenn im Zug etwas verloren wurde? Und ganz wesentlich: Was ist bei Krankheit zu tun?

Zusätzlich enthält das Heft eine Handreichung mit wichtigen Erläuterungen in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch. Mit Schaubildern und verständlich aufbereiteten Informationen sollen erste Hürden im Alltag abgebaut werden. Auch Ansprechpartner – von der Polizei bis zu Sportvereinen – sind aufgeführt. Zudem wurden Hinweise zu Aufenthaltsrecht, Arbeit und Ausbildung aufgenommen.

Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zeigten sich teils überrascht, wie viele ganz grundlegende Informationen für neu angekommene Menschen im Alltag entscheidend sind – und wie hilfreich klare, einfache Orientierung sein kann.

Angesichts der weltweiten Krisen nahmen die Rathauschefs die Broschüre „Wie kann ich helfen – Erfahrungen für Helfer“ daher mit großem Interesse entgegen. Sie erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann im Ernstfall aber eine wertvolle Unterstützung für Kommunen und Ehrenamtliche sein.

**Kommentar der Redaktion:**
Integration beginnt nicht erst beim Sprachkurs oder auf dem Arbeitsmarkt – sie beginnt oft schon bei den ganz einfachen Fragen des Alltags: Wo muss ich hin? Wer hilft mir? Wie funktioniert das hier überhaupt? Genau deshalb sind solche Erfahrungsberichte aus der Praxis so wertvoll. Sie ersetzen keine große Politik, aber sie helfen vor Ort ganz konkret weiter. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen Chaos und einem halbwegs geordneten Start.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Teilen:

Weitere Nachrichten

Leider konnte das Bild nicht geladen werden

**Unfallflucht in der Bamberger Straße: Polizei sucht Zeugen**

In Neustadt an der Aisch hat ein unbekanntes Fahrzeug eine Zufahrtsbegrenzung beschädigt und ist anschließend weitergefahren. Die Polizei sucht nun nach Hinweisen

Weiterlesen>>>
Leider konnte das Bild nicht geladen werden

Gründersprechstunde in Neustadt: Kostenlose Beratung für den Start ins eigene Unternehmen

Wer mit einer Geschäftsidee in der Region Neustadt an der Aisch–Bad Windsheim den nächsten Schritt gehen will, kann sich

Weiterlesen>>>
Leider konnte das Bild nicht geladen werden

**Markt Erlbach feiert Kirchweih: Vier Tage Festbetrieb, Grafflmarkt und Jubiläum auf dem Festplatz**

In Markt Erlbach beginnt heute die Kirchweih 2026. Bis einschließlich Montag steht der Ort ganz im Zeichen

Weiterlesen>>>
Leider konnte das Bild nicht geladen werden

**Bismarckstraße in Neustadt ab 25. August wegen Kanalarbeiten gesperrt**

In Neustadt an der Aisch müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer ab Dienstag, 25. August, auf Einschränkungen einstellen. Ein Abschnitt der Bismarckstraße

Weiterlesen>>>

Nachricht an uns

Nach oben scrollen