Neues aus dem Landkreis:

Weichenstellung für die Zukunft

+ Stellvertreter-Diskussion um Landrat Dr. Christian von Dobschütz

* Sanierung von maroden Straßen beschlossen
* Vorstellung des diesjährigen Landkreisweins

**Landkreis vor neuer Weichenstellung: Weniger Stellvertreter im Landratsamt – und zwei wichtige Straßensanierungen auf dem Weg**

Kurz vor dem Ende der alten Kreistagsperiode ist im Landratsamt noch einmal Bewegung in mehrere Themen gekommen. Überraschend wurde in der letzten Sitzung die Frage aufgeworfen, ob der Landrat künftig überhaupt noch drei Stellvertreter braucht. Gleichzeitig stellte der Kreistag die Weichen für die Sanierung zweier maroder Straßen im Landkreis. Und auch der neue Landkreiswein wurde vorgestellt.

Für eine unerwartete Debatte sorgte FWG-Kreisrat Harald Trabert. Unter dem Punkt „Anfragen“ wollte er wissen, ob es angesichts der angespannten Finanzlage von Kommunen und Landkreis wirklich weiterhin drei Stellvertreter für den Landrat brauche. Aus seiner Sicht sei es durchaus überlegenswert, einen oder sogar zwei dieser Posten einzusparen. Das würde Geld sparen und zugleich ein sichtbares Signal nach außen senden: Auch der Landkreis spart.

In den vergangenen sechs Jahren waren Reinhard Streng (FWG), Hans Herold (CSU) und Ruth Halbritter (Grüne) die Stellvertreter zunächst von Landrat Helmut Weiß und danach auch von dessen Nachfolger Dr. Christian von Dobschütz. Nach Informationen der Redaktion würden zumindest Streng und Herold diese Aufgaben gerne weiter übernehmen. Ob Landrat von Dobschütz an der bisherigen Besetzung festhalten möchte, ist derzeit noch offen.

Üblicherweise benennt der Landrat in der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags seine Wunschkandidaten, über die das Gremium dann einzeln abstimmt. Diese Sitzung ist für Freitag, 22. Mai, um 9 Uhr angesetzt.

Landrat Dr. Christian von Dobschütz zeigte sich von dem Vorstoß Traberts sichtlich überrascht. Er machte deutlich, dass es bei diesem Thema sowohl Argumente dafür als auch dagegen gebe. Zugleich betonte er, man solle die Aufgabenfülle eines Landrats nicht unterschätzen. Seine drei Stellvertreter seien mit Terminen „durchaus gut ausgelastet“.

Kritik an der vorgezogenen Debatte kam von Gabi Schmidt (UWG). Die Landtagsabgeordnete verwies darauf, dass diese Diskussion nach der Bayerischen Landkreisordnung Sache des neu gewählten Kreistags sei. Man solle das Ergebnis der Wahl respektieren und die Entscheidung nicht vorwegnehmen.

Auch AfD-Kreisrätin Anni Benedikt meldete sich zu Wort. Sie äußerte die Sorge, eine mögliche Verringerung der Zahl der Stellvertreter könne auch dazu dienen, der AfD einen möglichen Posten zu verwehren. Der Landrat wies das zurück. Es sei aktuell noch nichts beschlossen worden, vielmehr gehe es lediglich um eine Anregung. Zudem würden die Stellvertreter vom Kreistag gewählt – das gelte selbstverständlich auch für mögliche Kandidaten anderer Fraktionen, also auch der AfD.

Während die Frage nach den Stellvertretern zunächst offenbleibt, traf der „alte“ Kreistag noch zwei konkrete Entscheidungen zur Infrastruktur. So wurde der Landrat ermächtigt, jeweils das wirtschaftlich günstigste Angebot für den Ausbau der Staatsstraße 2256 von Münchhof nach Burghöchstadt im Bauabschnitt III sowie für die Kreisstraße 19 von Bräuersdorf nach Hagenbüchach anzunehmen und die Aufträge zu vergeben.

Besonders dringlich ist die Sanierung der Kreisstraße zwischen Bräuersdorf und Hagenbüchach. Niko Schwarz vom Tiefbauamt des Landkreises bezeichnete sie in der Sitzung sogar als die „schlechteste Kreisstraße, die wir momentan haben“. Zahlreiche Risse, Setzungen und beschädigte Bankette prägen dort das Bild. Vor allem im Begegnungsverkehr müssten Lastwagen immer wieder ausweichen, was die Schäden weiter verschärfe.

Geplant ist deshalb ein kompletter Neuaufbau des nicht mehr tragfähigen Fahrbahnaufbaus. Außerdem soll die Straße auf sechs Meter verbreitert und die Linienführung verbessert werden. Nach Angaben des Landkreises werden derzeit noch letzte Grundstücksfragen geklärt. Danach könnte die Maßnahme starten.

Auch bei der Staatsstraße 2256 gibt es nun Bewegung. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits die Abschnitte Burghaslach bis Freihaslach sowie Freihaslach bis Münchhof saniert wurden, sah es lange so aus, als könne der dritte Abschnitt in diesem Jahr aus formalen und finanziellen Gründen nicht mehr umgesetzt werden. Inzwischen haben sich die Voraussetzungen offenbar geändert.

Sobald die letzten naturschutzrechtlichen Fragen – unter anderem zum Thema Zauneidechse – geklärt sind, soll auch dort gebaut werden. Auf einer Länge von 1560 Metern ist ebenfalls eine Verbreiterung auf sechs Meter vorgesehen. Darüber hinaus wird der in weiten Teilen rissige und nicht frostsichere Belag erneuert.

Etwas leichter wurde es in der Sitzung dann beim Thema Landkreiswein. Der diesjährige Landkreiswein wurde vorgestellt, was Landrat von Dobschütz als Zeichen der Unterstützung für die Winzer in der Region wertete.

Ausgewählt wurde ein trockener Silvaner vom Weigenheimer Winzer Thomas Weidt. Er betreibt Weinbau auf 1,1 Hektar im Nebenerwerb und stellte seinen Betrieb persönlich vor. Seinen Silvaner beschrieb er als klassischen Franken, der alles andere als langweilig sei und „Frische ins Glas“ bringe. Damit, so seine Hoffnung, könne vielleicht auch wieder gute Laune in den Sitzungssaal einziehen.

Wie üblich stellte auch der Bürgermeister der Herkunftsgemeinde den Ort kurz vor. Weigenheims Bürgermeister Rainer Mayer sorgte dabei mit einer kleinen, augenzwinkernden Bemerkung für Aufmerksamkeit: Den Ortsteil Reusch bezeichne man intern wegen einiger dort noch vorhandener Gewerbebetriebe als „unseren Ruhrpott“. Außerdem erklärte Mayer, Weigenheim sei wohl tatsächlich die zweitgrößte Weinbaugemeinde in Mittelfranken – ließ dabei allerdings offen, ob sich das auf Liter, Winzer oder Fläche bezieht.

**Kommentar der Redaktion:**
Im Landratsamt wird also nicht nur über Personal, sondern auch über Prioritäten gesprochen. Die Frage nach drei Stellvertretern ist in Zeiten klammer Kassen sicher legitim – entscheiden muss das aber der neue Kreistag. Deutlich weniger diskutabel ist der Zustand mancher Straßen: Wenn eine Kreisstraße schon offiziell als schlechteste im Landkreis gilt, dann ist Handeln überfällig. Und beim Landkreiswein zeigt sich einmal mehr: Politik wird in Franken nicht nur mit Akten, sondern manchmal auch mit Silvaner begleitet. Solange am Ende mehr saniert als ausgeschenkt wird, ist dagegen wohl wenig einzuwenden.

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