# Neustadt investiert trotz knapper Kasse in die Klinik-Zukunft
## Der Landkreis stemmt ein Millionenprojekt am Krankenhaus Neustadt – mit Hoffnung auf bessere Versorgung, aber ohne Garantie für die kommenden Jahre
Neustadt a. d. Aisch – Der Landkreis muss sparen, soll aber gleichzeitig kräftig in seine Klinik investieren: Dieses Spannungsfeld prägte die jüngste Kreistagssitzung deutlich. Am Ende fiel die Entscheidung dennoch klar aus – mit nur einer Gegenstimme wird der Neubau des Bettenhauses Süd an der Neustädter Klinik vorangetrieben.
Rund 130 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Der Freistaat Bayern beteiligt sich nach aktuellem Stand mit etwa 96 Millionen Euro, den Rest müsste der Landkreis schultern. Trotz leerer Kassen und ungewisser finanzieller Aussichten überwog im Kreistag am Ende die Überzeugung, dass das Vorhaben notwendig ist, um den Klinikstandort langfristig zu sichern.
Landrat Christian von Dobschütz verwies darauf, dass der Bau im Vorfeld von externen Gutachtern intensiv geprüft worden sei. Neben dem offensichtlichen Bedarf an modernen Patientenzimmern habe die Analyse auch wirtschaftlich überraschende Erkenntnisse geliefert: Ein größeres Krankenhaus könne demnach effizienter betrieben werden. Mit den geplanten 240 Betten bestehe zumindest die Chance auf eine schwarze Null.
Nach den Gutachten gelte sogar der Grundsatz: Je kleiner das Krankenhaus, desto größer das Defizit im Betrieb. Auch Helmut Reiß von der UWG, der im Klinikausschuss aktiv ist, drängte auf eine zügige Entscheidung. Man solle nicht warten, bis es zu spät sei und später noch teurer werde.
Ganz ohne Unsicherheit bleibt das Projekt aber nicht. Krankenhausvorstand Stefan Schilling machte deutlich, dass die Bundesregierung eine deutliche Reduzierung der Klinikstandorte anstrebe. Für den langfristigen Erhalt des Neustädter Krankenhauses gebe es deshalb keine Garantie.
Kritische Töne kamen von David Muck (Grüne), der schließlich auch die einzige Gegenstimme abgab. Er stellte das Vorhaben nicht grundsätzlich infrage, äußerte aber deutliche Zweifel an der Dimension. Ihm fehle die Fantasie, wie ein Krankenhaus dieser Größe in Neustadt dauerhaft betrieben werden könne.
Ein wichtiger Gedanke schwang dabei dennoch mit: die hohe Förderung durch den Freistaat. Wer fast 100 Millionen Euro in den Bettentrakt investiere, so die Hoffnung im Raum, werde das Krankenhaus in Neustadt wohl kaum wenige Jahre später wieder aufgeben.
Auch die Zukunft der Klinik Bad Windsheim stand bei der Sitzung im Raum. In den Bürgerfragen äußerte Dr. Dieter Gärtner seine Sorge um den Fortbestand des Hauses im westlichen Landkreis. Die laufenden Reformen könnten einschneidende Veränderungen bringen, befürchtete er. Auch das Rothenburger Krankenhaus sei von Unsicherheiten betroffen.
Landrat von Dobschütz konnte diese Sorgen nicht ausräumen: Auch der Landkreis wisse nicht genau, wie es weitergehe. Man nehme die Entwicklungen sehr ernst und hoffe nach einer Klausurtagung Anfang Juli auf mehr Klarheit. Klinikvorstand Schilling betonte, man werde versuchen, die bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Zugleich sei aber klar: Die aktuelle Krankenhausreform sei die größte, die es je gegeben habe, und belastbare Prognosen seien schwierig.
Zur Sprache kam auch die Notfallversorgung. Diese sei in Bad Windsheim bereits seit Jahren eingestellt und nach Neustadt verlagert worden. Dort sei man heute sehr gut aufgestellt. Rückblickend sei das eine richtige Entscheidung gewesen, denn zwei Notfallstandorte im Landkreis hätten sich dauerhaft kaum aufrechterhalten lassen. Im schlimmsten Fall, so die unausgesprochene Konsequenz, hätte am Ende womöglich gar kein Standort überlebt.
Noch bevor der Kreistag über das Klinikprojekt entschied, erhoben sich die Mitglieder des Gremiums kurz von ihren Plätzen: Der neue Scheinfelder Bürgermeister Theo Schell (CSU) wurde nachträglich vereidigt, da er bei der konstituierenden Sitzung nicht anwesend gewesen war.



