# Schanzenfest in Altschauerberg: Polizei und Politik ziehen nach erneutem Großaufkommen Konsequenzen in Betracht
ALTSCHAUERBERG/Emskirchen – Das Schanzenfest im Emskirchener Gemeindeteil Altschauerberg hat am Samstag erneut für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Nach Angaben der Behörden kamen rund 3500 Menschen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich zusammen. Trotz intensiver Vorbereitung kam es zu mehreren sicherheitsrelevanten Vorfällen. Jetzt kündigt sich politische Aufarbeitung an – bis hin zu möglichen Konsequenzen durch das Innenministerium.
Die Stimmung sei im Vergleich zum Vorjahr noch aggressiver gewesen, sagt Janine Mendel, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Auch Landrat Dr. Christian von Dobschütz machte sich vor Ort ein Bild und sprach von einem „schrecklichen“ Erlebnis. Er habe sich, mit Fahnen, Kampfgebrüll und der Dynamik der Menge, zeitweise an eine Filmszene erinnert.
Die Polizei hatte sich nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2025 frühzeitig auf das Event vorbereitet und die Lage im Netz beobachtet. Wer mobilisiert sich? Wie oft werden Beiträge geteilt? Welche Gruppen planen die Anreise? Trotz dieser Vorarbeit sei die genaue Zahl der tatsächlichen Besucherinnen und Besucher nicht vorhersehbar gewesen, so die Polizei. Klar sei aber: Es kam zu Gefahren und Sicherheitsstörungen.
Besonders auffällig: Böllerwürfe auf die Reiterstaffel. So etwas habe man in dieser Form bislang nicht erlebt, betont die Polizeisprecherin. Insgesamt gab es eine Festnahme, fünf Personen wurden zeitweise in Gewahrsam genommen. Außerdem wurden 36 Verstöße gegen die Allgemeinverfügung verfolgt. Sachbeschädigungen seien nicht registriert worden.
Die Polizeiarbeit sei dabei nicht einfach gewesen. Laut Mendel reagierten viele Teilnehmer auf Lautsprecherdurchsagen und Hinweise zur Allgemeinverfügung mit Fluchtbewegungen. Von Einsicht sei wenig zu spüren gewesen. Bei den eingesetzten Kräften spricht man dennoch von einem professionellen Vorgehen unter schwierigen Bedingungen.
Auch politisch hat das Ereignis nun Folgen. Neben Landrat von Dobschütz und dem SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl war am Samstag auch Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht vor Ort. Einigkeit herrscht darüber, dass das Thema auf höherer Ebene besprochen werden muss. Scheuenstuhl kündigte an, erneut im Landtag nachzufragen und auch eine Kostenübernahme zu thematisieren. Es dürfe nicht sein, dass die Marktgemeinde am Ende auf Zusatzkosten sitzen bleibe.
Von Dobschütz will nun einen runden Tisch mit Polizei, Landkreis, Marktgemeinde Emskirchen und dem bayerischen Innenministerium einberufen. Ziel sei es, die Lage gemeinsam zu bewerten und für kommende Jahre Lösungen zu finden. Der Landrat macht deutlich: Es gehe längst nicht mehr nur um den ursprünglichen Auslöser des Geschehens, sondern um eine Veranstaltung, die offenbar zunehmend von Social-Media-Inszenierungen und Reichweite lebt.
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann meldete sich zu Wort. Angriffe auf Einsatzkräfte seien absolut inakzeptabel. Die Polizei sei keine Bühne für Provokation, so Herrmann. Die Vorfälle würden nun nachbereitet, und gemeinsam mit Gemeinde, Landkreis und Regierung von Mittelfranken solle geprüft werden, wie eine Wiederholung verhindert werden kann. Auch klare Verbote schließt der Minister nicht aus.
Ob es 2027 erneut ein Schanzenfest geben wird, ist offen – klar ist aber schon jetzt: Die Ereignisse von Altschauerberg werden die Region und die Verantwortlichen noch länger beschäftigen.



