23. Mai 2026

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Markt Erlbach

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**Markt Erlbach: Projektwoche an der Caspar-Löner-Schule zeigt, wie viele kleine Schritte Großes bewirken können**

Eine Woche lang drehte sich an der Caspar-Löner-Grund- und Mittelschule in Markt Erlbach alles um das Motto **„Jetzt WELTfair ÄNDERN!“**. Dabei ging es nicht nur um Theorie, sondern ganz konkret um die Frage, wie Kinder und Jugendliche im Alltag fair, regional und nachhaltig handeln können – und wie aus kleinen Ideen tatsächlich Veränderungen für Schule und Gemeinde entstehen.

Die Projektwoche knüpfte an eine frühere Aktion aus dem Jahr 2018 an. Damals war aus dem Engagement heraus die Fairtrade-Steuerungsgruppe entstanden, die Markt Erlbach schließlich zur Fairtrade-Gemeinde machte, wie Rektorin Tatjana Svarovsky und Konrektor Michael Reeg berichteten. Auch das damalige Faircafé an der Schule, das zwei Jahre lang Getränke und kleine Speisen aus fairem Handel anbot, bleibt in guter Erinnerung. Nun gibt es Überlegungen, dieses Angebot zumindest an einem Tag in der Woche wiederzubeleben.

Passend zum Schulalltag waren die Themen **fair, regional und nachhaltig** auch inhaltlich eng mit dem Unterricht verbunden. Laut Schulleiterin Svarovsky spielen sie in diesem Jahr sogar bei einer Prüfung zum M-Abschluss eine Rolle. Dass sich diese drei Aspekte nicht gegenseitig ausschließen müssen, habe auch der Verkauf von rund **500 Portionen „Laras Dorfeis“** an der Schule gezeigt.

Hinter der Aktion steht das Projekt **„Werde WELTfairÄnderer“**, das vom Jugendamt der Erzdiözese Bamberg und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend organisiert wird. Ehrenamtlich begleitet wurde die Woche von Studierenden aus dem Sozialbereich aus Bamberg, die während der Projekttage im katholischen Gemeindehaus gegenüber der Schule untergebracht waren. Ziel war es, die Schülerinnen und Schüler für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu sensibilisieren – und sie vor allem selbst ins Handeln zu bringen. Projektleiterin Carolin Bittner brachte es auf den Punkt: Es gehe darum, dass die Kinder nicht nur zuhören und mitreden, sondern selbst aktiv werden.

Ein zentraler Ort der Woche war ein Zelt mit dem Namen **„Unser Herzstück“**. Dort wurden den Kindern und Jugendlichen auf spielerische und erfahrungsorientierte Weise Themen rund um faires und nachhaltiges Handeln vermittelt. Nach Angaben der Veranstalter wurde das Projekt bereits mehrfach von der Unesco ausgezeichnet. Aus Bamberg war zu hören, dass die Markt Erlbacher Schülerinnen und Schüler bereits erstaunlich viel Vorwissen mitbrachten – etwa zu Mikroplastik – und großes Interesse zeigten, beispielsweise an der Frage gerechter Bezahlung von Arbeitenden. Joachim Waidmann von der Erzdiözese Bamberg bezeichnete die Caspar-Löner-Schule sogar als **„Blaupause für das Projekt“**.

Ein Höhepunkt war der Begegnungstag, bei dem die Klassen ihre Ergebnisse und Aktionen präsentierten. Nach Auskunft der Schule kamen rund **1000 Besucherinnen und Besucher**, um die vielfältigen Projekte zu erleben. Geboten waren unter anderem die Garten-AG, Müllentdecker und eine Müllausstellung, eine Upcycling-Bastelgruppe sowie klassische Spiele wie Eierlaufen, Sackhüpfen, Dosenwerfen, ein Kugelspiel und eine Schokoschaumkuss-Wurfmaschine. Daneben gab es ein faires Brettspiel, Rätsel rund um fairen Handel, ein Nachhaltigkeitsquiz, einen Bücher-, Spiele- und Flohmarkt, einen Mini-Radparcours, ein Barfußpad sowie kreative Mitmachangebote wie Plakate malen, Freundschaftsbänder knüpfen und Buttons gestalten.

Auch der Verkauf von fairem Eis, faire Produkte und Erste-Hilfe-Kurse gehörten zum Programm. Zudem beteiligte sich die Schule an der Aktion **„Brillen weltweit“**, die mit gespendeten Sehhilfen Menschen in ärmeren Regionen bessere Bildungschancen ermöglichen will. Unterstützung erhielt die Woche unter anderem von Elternbeiratsvorsitzender Mahizer Aras, Fördervereinsvorsitzender Ingrid Stotz sowie Laura Reiser vom Bayerischen Jugendring. Seit Herbst 2025 wird das Projekt zudem vom BJR gefördert.

Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß zeigte sich offen für die Eigeninitiative der Schule und für besondere Aktionen. In einer Diskussion rund um fairen Handel sprach sie allerdings auch einen kritischen Punkt an: So wurde beim Angebot eines Weltladens aus Fürth Zucker aus Paraguay zum Kaffee gereicht. Kreß verwies darauf, dass es auch im Landkreis Zuckerrübenbauern gebe, die wirtschaftlich stark unter Druck stünden. Der Hinweis von Fair-Café-Betreiber Andreas Schneider, dass durch den Verkauf die Lebensbedingungen lateinamerikanischer Zuckerproduzenten verbessert werden könnten, überzeugte sie unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten nicht. Konrektor Michael Reeg brachte die Debatte schließlich treffend auf den Punkt: **Fairness ist ein komplexes Thema.**

**Kommentar der Redaktion:**
Genau das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse aus so einer Woche: Fair, regional und nachhaltig passt oft wunderbar zusammen – aber eben nicht immer ganz ohne Reibung. Und wenn am Ende in Markt Erlbach sogar über Zucker aus Paraguay und Zuckerrüben aus dem Landkreis diskutiert wird, dann zeigt das vor allem eins: Die Kinder lernen hier nicht nur bunte Schlagworte, sondern echtes Nachdenken. Und das ist oft nachhaltiger als jedes Plakat – auch wenn Buttons natürlich trotzdem schöner glitzern.

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Neustadt an der Aisch

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## Neustädter Kreistag startet in neue Amtszeit – mehr Macht für Ausschüsse, Diskussionen um Stellvertreter und erste deutliche Reibungen

Mit vielen Formalien, aber auch klaren Signalen für die kommenden Jahre hat sich der neue Kreistag des Landkreises Neustadt an der Aisch – Bad Windsheim am Freitag konstituiert. Landrat Dr. Christian von Dobschütz machte dabei früh deutlich, wohin die Reise gehen soll: mehr Verantwortung in den Ausschüssen, neue Strukturen – und der Appell, angesichts großer Herausforderungen wie Finanzen und Kliniken keine „Schaufensterpolitik“ zu betreiben. Überschattet wurde die Sitzung allerdings von einer hitzigen Debatte bei den Wahlen der stellvertretenden Landräte.

Gleich zu Beginn wurden 17 neue Kreisrätinnen und Kreisräte vereidigt. Landrat von Dobschütz zitierte dabei den bekannten Satz, Politik sei „das Bohren dicker Bretter“ – und machte klar, dass im Landkreis aktuell besonders dicke Bretter auf dem Tisch liegen. Vor allem mit Blick auf die finanzielle Lage und die Situation der Kliniken forderte er eine sachliche und lösungsorientierte Zusammenarbeit.

### Ausschüsse sollen künftig stärker entscheiden

Ein zentrales Signal der neuen Kreistagsarbeit: Die Ausschüsse erhalten mehr Kompetenzen. Künftig dürfen sie sogar eigenständig Beschlüsse bis zur Höhe des jeweiligen Haushaltsansatzes fassen. Außerdem werden die Zuständigkeiten teilweise neu zugeschnitten.

Auf Antrag der CSU wurde auch die Größe der meisten Ausschüsse erweitert: Statt bislang zwölf sitzen dort künftig 14 Mitglieder zusätzlich zum Landrat.

Veränderungen gibt es auch bei den Ausschüssen selbst. So wird der Sozialausschuss abgeschafft. Das stieß nicht überall auf Zustimmung. Gabi Schmidt (UWG) mahnte, dass soziale Themen trotzdem sichtbar bleiben müssten. Berichte etwa aus dem Jobcenter, der Jugendhilfe oder dem Jugendamt seien wichtig, um Entwicklungen im Landkreis richtig einschätzen zu können.

Mehr Gewicht erhalten dagegen Wirtschaftsthemen: Künftig gibt es einen Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Tourismus.

### Weniger Sitzungen vorgesehen – längere Fristen für Anträge

Auch die Geschäftsordnung wurde angepasst. Dort sind nun nur noch drei Kreistagssitzungen pro Jahr als Sollwert festgelegt – bisher waren es vier. Das sorgte bei einigen Räten für Unmut.

Zudem wird die Frist für Anträge von 14 auf 21 Tage verlängert. Begründet wurde das mit dem Wunsch, der Verwaltung mehr Zeit für die inhaltliche Vorbereitung zu geben. Gabi Schmidt äußerte auch hier Zweifel und verwies darauf, dass es oft kurzfristige Themen gebe. Eine so lange Frist sei aus ihrer Sicht ungewöhnlich.

Landrat von Dobschütz versuchte zu beruhigen: Ziel seien weiterhin vier Sitzungen jährlich. Auch wolle man Anträge nach Möglichkeit bereits in der nächsten Sitzung behandeln. Die längere Frist sei vor allem ein „Schutz der Verwaltung“.

### Kreisklausur im Herbst soll Ziele festlegen

Grundlage für die politische Arbeit der neuen Legislaturperiode soll eine Kreisklausur im Herbst werden. Dort sollen die Ziele des Landkreises definiert und ein Programm erarbeitet werden, das anschließend auch die Basis für die Haushaltsplanung bildet. Die Ergebnisse sollen dann direkt in die zuständigen Ausschüsse einfließen.

### Fraktionsstatus künftig erst ab drei Mitgliedern

Für Diskussionen sorgte auch eine neue Regelung zur Fraktionsstärke. Künftig gelten nur noch Parteien oder Gruppierungen mit mindestens drei Vertretern als Fraktion. Die Linke, die mit Chiara Kunze und Maria Streit im Kreistag sitzt, hatte beantragt, bereits zwei Personen als Fraktion anzuerkennen.

Kunze kritisierte, dass die neue Grenze unter anderem mit Sparzwängen begründet werde, während gleichzeitig die Entschädigung für Kreisräte von 60 auf 75 Euro pro Sitzung erhöht wurde. Landrat von Dobschütz verwies auf eine Orientierung an der Bundestagsregelung und betonte, die Änderung sei nicht gegen die Linke gerichtet. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

### Reinhard Streng erneut Stellvertreter des Landrats

Bei der Wahl des ersten Stellvertreters gab es dann ein klares Ergebnis: Reinhard Streng (FWG) aus Langenfeld wurde mit 50 zu 4 Stimmen gewählt. Er hatte dieses Amt bereits in der vergangenen Amtszeit inne.

Zuvor hatte der Landrat mit einem Augenzwinkern bemerkt, es sei „etwas einsam hier vorne“, da der Platz neben ihm noch leer sei.

### Debatte über Anzahl der Stellvertreter

Vor der Wahl weiterer Stellvertreter wurde noch einmal grundsätzlich diskutiert, ob es überhaupt drei Stellvertreter brauche. Harald Trabert (FWG) hatte – wie schon in der vergangenen Legislaturperiode – vorgeschlagen, aus Kostengründen auf einen Posten zu verzichten. Das wäre aus seiner Sicht auch ein Signal nach außen in finanziell schwierigen Zeiten.

Dem widersprachen mehrere Kreisräte deutlich. Jürgen Dierauff (CSU) betonte die Rolle der Stellvertreter als Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgern. Auch Hans Herold sprach sich klar für den Erhalt aller Positionen aus und verwies darauf, dass das Amt zeitlich durchaus mit einem Halbtagsjob vergleichbar sei. Gerade bei Vereinsveranstaltungen sei die Präsenz eines Stellvertreters ein Zeichen der Wertschätzung.

Am Ende fand Traberts Vorschlag nur eine weitere Stimme Unterstützung.

### Ixmeier und Reichenberg gewählt – AfD-Rede sorgt für Eklat

Als erste weitere Stellvertreterin wurde anschließend Renate Ixmeier (CSU) aus Scheinfeld einstimmig gewählt.

Deutlich turbulenter wurde es dann bei der Wahl des zweiten weiteren Stellvertreters. Heike Gareis (SPD) schlug Ronald Reichenberg aus Bad Windsheim vor und lobte dessen kommunalpolitische Erfahrung, fachliche Kompetenz und Integrität.

Daraufhin ergriff Dr. Benno Bulitta (AfD) das Wort und erklärte, warum seine Fraktion den SPD-Kandidaten nicht unterstützen werde. In seiner Rede warf er der SPD und protestierenden Gruppen aus dem Kommunalwahlkampf ein antidemokratisches Verhalten vor. Er sprach von Diffamierungen, beleidigender Sprache und zog dabei auch weitreichende politische Vergleiche. Zudem kritisierte er das Verhalten von Gegendemonstranten bei AfD-Infoständen.

Landrat Dr. Christian von Dobschütz reagierte direkt und mahnte, im Kreistag keine Grundsatzdebatten aus Bundes- oder Landespolitik zu führen. Die Bürger erwarteten konkrete Arbeit für den Landkreis – nicht das Nachspielen überregionaler Konflikte. Auch David Muck (Grüne) und Gabi Schmidt (UWG) warnten vor solchen ideologischen Auseinandersetzungen im Gremium. CSU-Kreisrat Paul von und zu Franckenstein kritisierte zudem Störgeräusche während der Rede und mahnte zu einem geordneten Ablauf.

Bei der anschließenden Wahl setzte sich Ronald Reichenberg klar durch. Nur die AfD-Fraktion stimmte für ihren eigenen Kandidaten Armin Heinlein.

### Appell zum Schluss: Sachlich bleiben, Lösungen finden

Zum Ende der Sitzung warb Landrat von Dobschütz nochmals für ein gemeinsames Arbeiten im neuen Kreistag. Unterschiedliche Meinungen gehörten dazu, entscheidend sei aber, dass am Ende der Landkreis im Mittelpunkt stehe. Er forderte Sachlichkeit, Respekt und die Bereitschaft, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

### Kommentar der Redaktion

Der neue Kreistag hat gleich in seiner ersten Sitzung gezeigt, wie die nächsten Jahre laufen könnten: viel Strukturarbeit, viele finanzielle Fragen – und leider wohl auch immer wieder politische Scharmützel, die mit den eigentlichen Aufgaben im Landkreis nur bedingt zu tun haben. Dass Landrat von Dobschütz die Ausschüsse stärken will, klingt zunächst nach mehr Effizienz. Ob das am Ende wirklich zu schnelleren und besseren Entscheidungen führt, wird sich zeigen. Klar ist aber: Bei Kliniken, Haushalt und sozialer Entwicklung wird man keine Zeit für Showkämpfe haben.

Und vielleicht ist das ja die wichtigste Erkenntnis dieses Starts: Im Landkreis sind die Bretter tatsächlich dick. Da hilft am Ende weder großes Pathos noch Bundestags-Theater – sondern eher Bohrer, Geduld und am besten eine ruhige Hand.

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