# Alle acht Ortsteile sollen mitreden können
Bei der konstituierenden Sitzung des Neuhöfer Gemeinderats wurden die Weichen für die neue Wahlperiode gestellt. Neben der Vereidigung der neuen Ratsmitglieder stand auch die Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters auf der Tagesordnung. Ein besonderes Signal setzte das Gremium am Ende der Sitzung: Künftig sollen auch Ortsteile ohne eigenen Sitz im Gemeinderat stärker eingebunden werden.
Bürgermeisterin Claudia Wust gab den neuen und alten Ratsmitgliedern gleich zu Beginn einen klaren Auftrag mit auf den Weg. Sie appellierte daran, bei allen Entscheidungen immer das Wohl der Gemeinde und ihrer Bürgerinnen und Bürger im Blick zu behalten. Nach ihren einleitenden Worten wurde es feierlich: Sieben der acht neu gewählten Gemeinderäte legten im Sitzungssaal ihren Eid ab und wurden damit offiziell in ihr Amt eingeführt.
Vereidigt wurden Stefan Burk, Jörg Hautmann, Silvia Heubeck, Andreas Schwemmer und Dr. Katrin Sill von CSU/Freie Bürger, Richard Schwemmer von den Freien Wählern sowie Stefan Kallert von der Bürgernahen Liste. Der neu gewählte Gemeinderat Heinz Thürauf von den Grünen konnte urlaubsbedingt nicht anwesend sein und soll in der Juni-Sitzung vereidigt werden.
Bei der Wahl des zweiten Bürgermeisters setzte sich Manfred Pöhmerer deutlich durch. Er erhielt elf von 14 möglichen Stimmen. Auf Christian Berger entfielen zwei Stimmen, auf Richard Schwemmer eine. Zusätzlich entschied der Gemeinderat, noch zwei weitere Stellvertreter aus den eigenen Reihen zu benennen. Diese Aufgabe übernehmen künftig die beiden dienstältesten Gemeinderäte Lydia Stoll, die seit 30 Jahren dem Rat angehört, und Christian Berger mit 18 Jahren Ratserfahrung.
In der neuen Wahlperiode bleibt die bisherige Geschäftsordnung im Wesentlichen bestehen. Auch das Sitzungsgeld in Höhe von 15 Euro wird unverändert weitergezahlt. Eine Teilnahme an hybriden Sitzungen, also mit Zuschaltung per Internet, lehnte das Gremium einstimmig ab.
Bei den Ausschüssen gab es nur wenig zu besetzen, da die Gemeinde außer dem Rechnungsprüfungsausschuss keine weiteren Ausschüsse hat. In diesem Ausschuss, dem die Bürgermeisterin nicht angehören darf, wurden Heinz Thürauf als Vorsitzender sowie Jörg Hautmann, Stefan Kallert und Andreas Schwemmer benannt.
Auch die Vertretungen in verschiedenen überörtlichen Gremien wurden festgelegt. In der Verwaltungsgemeinschaft vertreten künftig Gerhard Enzner, Manfred Pöhmerer und Werner Winnerlein die Marktgemeinde. Für den Wasserverband Dillenberg wurden Stefan Burk und Richard Schwemmer bestimmt. Silvia Heubeck übernimmt die Vertretung im Abwasserverband Oberes Zenntal. Bürgermeisterin Claudia Wust ist kraft Amtes Mitglied in allen überörtlichen Gremien und vertritt Neuhof unter anderem im Schulverband, im Wasserverband Markt Erlbacher Gruppe und im Werkausschuss des Wasserverbands Dillenberg.
Einstimmig fiel schließlich auch ein Beschluss, der für mehrere Ortsteile von besonderer Bedeutung ist. Alle Ortsteile, die derzeit keinen eigenen Vertreter im Gemeinderat haben, sollen die Möglichkeit erhalten, einen Ortssprecher oder Ortsteilbeauftragten zu wählen. Das betrifft Unterfeldbrecht, Neuziegenrück, Neuselingsbach, Vockenroth und Hirschneuses. Diese Personen dürfen künftig an öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungen teilnehmen und dort auch sprechen, haben aber kein Stimmrecht.
Bürgermeisterin Claudia Wust machte deutlich, dass ihr dieses Thema besonders wichtig ist. Ihr Ziel sei es, dass sich die ganze Gemeinde im Rat wiederfindet und alle Ortsteile eine Stimme bekommen. Dazu sollen nun entsprechende Schreiben an die betroffenen Orte gehen. Voraussetzung für die Wahl eines Ortssprechers ist, dass sich mindestens ein Drittel der Bewohner dafür ausspricht.
**Kommentar der Redaktion:**
Dass auch kleinere Ortsteile künftig mitreden können, ist ein starkes Signal. Denn gerade in Flächengemeinden gilt oft: Wer keinen Sitz im Rat hat, geht schnell im Tagesgeschäft unter. Natürlich ersetzt ein Ortssprecher kein Stimmrecht – aber bevor man gar nichts sagen darf, ist Rederecht schon mal deutlich mehr als nur Dorfgespräch am Gartenzaun. Und ganz ehrlich: Wenn alle acht Ortsteile gehört werden, dürfte das der Gemeinde am Ende mehr bringen als jede hybride Sitzung.