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Waldbad Neustadt: Deutschlands schönstes Freibad – und bald kein Geheimtipp mehr?
Wer in den vergangenen Tagen das Neustädter Waldbad besuchen wollte, brauchte vor allem eines: Geduld.
Schon am Eingang bildeten sich teilweise lange Schlangen. Auf den Parkplätzen wurde es eng, manche Besucherinnen und Besucher mussten auf umliegende Straßen ausweichen. Und wer es schließlich ins Bad geschafft hatte, stand wenig später erneut an – diesmal am Kiosk für Pommes, Eis oder ein kühles Getränk.
Der Grund für den Ansturm liegt nicht nur am sommerlichen Wetter. Das Neustädter Waldbad wurde kürzlich in einer bundesweiten Auswertung des Reiseveranstalters TUI als eines der schönsten Freibäder Deutschlands ausgezeichnet. Eine Ehrung, auf die Neustadt zweifellos stolz sein kann.
## Ein Freibad mit bundesweiter Aufmerksamkeit
Die TUI-Auswertung sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Bewertet wurden unter anderem Online-Bewertungen, Attraktivität der Anlage und Beliebtheit bei den Gästen. Das Neustädter Waldbad landete dabei ganz vorne und erhielt plötzlich Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Mittelfrankens hinaus.
Für die Stadt ist das zunächst einmal ein großer Erfolg. Jahrzehntelang wurde in das Bad investiert. Die großzügige Liegewiese, der alte Baumbestand, die Beckenlandschaft und der berühmte Fünf-Meter-Turm machen das Waldbad seit Jahren zu einem Publikumsmagneten.
Viele Neustädterinnen und Neustädter sagen ohnehin: „Das wussten wir schon lange.“
## Aber ist so viel Werbung überhaupt gut?
Mit der Auszeichnung stellt sich allerdings eine spannende Frage:
Muss wirklich ganz Deutschland erfahren, wie schön das Waldbad ist?
Denn jeder zusätzliche Besucher bedeutet auch längere Schlangen am Eingang, mehr Verkehr, vollere Liegewiesen und längere Wartezeiten am Kiosk.
Vor allem an heißen Sommertagen stößt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Die Parkplatzsituation ist bereits heute angespannt. Wer erst am Nachmittag kommt, benötigt manchmal etwas Glück bei der Parkplatzsuche.
## Wer bezahlt eigentlich das Waldbad?
Noch interessanter wird die Diskussion beim Blick auf die Finanzierung.
Das Waldbad wird nicht allein durch Eintrittsgelder getragen. Wie praktisch alle kommunalen Freibäder erhält auch das Neustädter Waldbad Unterstützung aus dem städtischen Haushalt. Anders gesagt: Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Neustadt tragen über ihre Steuern dazu bei, dass das Bad betrieben werden kann.
Gleichzeitig profitieren von den vergleichsweise günstigen Eintrittspreisen natürlich auch Besucher aus anderen Städten und Landkreisen.
Ist das gerecht?
Die einen sagen: Nein. Wer die Kosten trägt, sollte auch den größten Nutzen haben.
Die anderen argumentieren: Ein Freibad ist öffentliche Infrastruktur. Wer von außerhalb kommt, kauft vielleicht noch ein Eis in der Innenstadt, besucht die Gastronomie oder erledigt Einkäufe vor Ort. Dadurch profitiert wiederum die lokale Wirtschaft.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.
## Fluch und Segen zugleich
Touristische Aufmerksamkeit bringt Chancen und Herausforderungen.
Mehr Besucher bedeuten mehr Bekanntheit für Neustadt an der Aisch. Sie stärken das Image der Stadt und zeigen, dass kommunale Investitionen erfolgreich sein können.
Gleichzeitig wächst aber der Druck auf Parkplätze, Personal und Infrastruktur.
Die eigentliche Herausforderung wird deshalb sein, den Erfolg des Waldbades zu genießen, ohne dass die Lebensqualität der Stammgäste darunter leidet.
## Kommentar
Am Ende sollten wir eines nicht vergessen:
Viele Städte würden einiges dafür geben, ein Freibad wie das Neustädter Waldbad zu besitzen.
Während anderswo Bäder schließen oder nur mit Einschränkungen betrieben werden können, haben wir mitten im Aischgrund eine Anlage, die bundesweit Aufmerksamkeit erhält und von vielen Gästen geliebt wird.
Darauf dürfen wir durchaus stolz sein.
Und wenn die Wetterprognosen recht behalten, steht uns ein echter Hitzesommer bevor. Das bedeutet viele Badetage, viele Sprünge vom Fünf-Meter-Turm, viele Portionen Pommes und hoffentlich viele schöne Erinnerungen.
Vielleicht sollten wir die Schlangen deshalb einfach mit etwas Gelassenheit sehen.
Denn Hand aufs Herz:
Wer wartet schon gerne?
Aber wenn die Schlange vor einem der schönsten Freibäder Deutschlands steht, ist das vielleicht ein Luxusproblem.
Bis zum nächsten Mal – in der Schlange am Eingang, in der Schlange am Fünf-Meter-Turm oder in der Schlange am Kiosk.
Euer
**Christian Pöschl**


