Neues aus Neustadt:

Beerbacher Weg soll Starkregen besser schlucken

+ Neustadt startet Erosionsschutz-Pilot am Beerbacher Weg

* Boden als Schwamm gegen Starkregen und Hochwasserschäden
* Freiwillige Bauernbeteiligung entscheidet über Projekterfolg

**Neustadt will Wasser in der Fläche halten: Pilotprojekt am Beerbacher Weg soll bei Starkregen helfen**

Wie kann man verhindern, dass sich bei Starkregen braune Wassermassen ihren Weg durch die Landschaft bahnen und am Ende Straßen, Gräben und Keller volllaufen? In Neustadt an der Aisch setzt man dabei jetzt nicht nur auf Technik, sondern vor allem auf den Boden selbst. Im Fokus steht ein neues Pilotprojekt am Beerbacher Weg, das den Wasserrückhalt verbessern und Erosion eindämmen soll. Doch eines ist auch klar: Funktionieren kann das Ganze nur, wenn die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte mitziehen.

Im Neustädter Stadtrat stellte Johannes Herold vom beauftragten Büro „GeoTeam“ das Vorhaben vor. Die Stadt ist Teil der sogenannten „Schwammregion“, bei der es darum geht, Wasser bei Starkregen möglichst dort zurückzuhalten, wo es fällt. Das Grundprinzip ist einfach: Nicht alles schnell ableiten, sondern den Boden wieder stärker als natürlichen Speicher nutzen. Oder wie Herold es auf den Punkt brachte: **„Der Boden ist der Schwamm.“**

### Problemflächen in Neustadt gezielt untersucht

Im Vorfeld hatte das Büro „GeoTeam“ untersucht, wo es in Neustadt in den vergangenen Jahren besonders häufig Probleme mit Starkregen, Hochwasser und daraus folgenden Schäden gab. Auch Ortsbegehungen mit der Stadtspitze flossen in die Bewertung ein. Daraus entstand eine Übersicht mit landwirtschaftlichen Flächen, die bei Starkregen ein besonders hohes Schadenspotenzial haben. Diese umfasst rund 90 Hektar und wird der Stadt als Teil des Bestands- und Bewertungsplans zur Verfügung gestellt.

Klar sei aber auch, dass nicht überall gleichzeitig angesetzt werden könne. Deshalb wurde nach einer besonders geeigneten Fläche für ein Pilotprojekt gesucht. Neben Birkenfeld, Weiherhof und Unterstrahlbach wurde auch der Beerbacher Weg genauer betrachtet. Am Ende wurde dieser Bereich als sogenannter Hotspot eingestuft.

### Beerbacher Weg im Fokus

Das eigentliche Pilotgebiet umfasst rund 16 Hektar. Dort soll mit angepasster landwirtschaftlicher Bewirtschaftung dafür gesorgt werden, dass mehr Wasser im Boden bleibt und weniger Erde abgeschwemmt wird. Herold machte deutlich, dass viele kleine Maßnahmen oft mehr bringen als einzelne große Bauwerke. Mal seien es 50 Kubikmeter Rückhalt, mal 100 – in der Summe könne das aber einen wichtigen Unterschied machen. Auch Verbesserungen an Gräben könnten dazu beitragen.

Im gesamten betrachteten Gebiet in Neustadt liegen laut Herold rund 2500 Hektar Ackerflächen. Gerade dort sehe man großes Potenzial. Denn im Vergleich zu klassischen technischen Hochwasserschutzmaßnahmen könne man mit einer flächigen Veränderung der Bodenbewirtschaftung in ganz anderen Dimensionen arbeiten – und meist deutlich kostengünstiger.

### Warum die Bodenbewirtschaftung so wichtig ist

Ein zentrales Problem bei Starkregen ist, dass Wasser oft nicht schnell genug versickern kann. Ursache sind unter anderem Verdichtungsschichten im Boden. Dazu kommt, dass es bei heftigen Niederschlägen häufig zur Verschlämmung an der Oberfläche kommt. Der Boden verliert dadurch einen Teil seiner Speicherfähigkeit und Wasser läuft oberflächlich ab – mitsamt Erde und Schlamm.

Genau hier setzt das Projekt an. Ziel ist eine stabile, krümelige Bodenstruktur, die Wasser besser aufnehmen und halten kann. Davon würden mehrere Bereiche profitieren: Der Boden speichert mehr Feuchtigkeit, die Landschaft kühlt sich besser ab, mehr Kohlendioxid kann gebunden werden, das Landschaftsbild wird abwechslungsreicher und auch die Artenvielfalt kann steigen. Vor allem aber sollen Schäden bei Starkregen verringert werden.

### Drei Förder-Bausteine für Landwirte

Für die Pilotphase wurden drei konkrete Maßnahmen entwickelt, für die Landwirtinnen und Landwirte im Projektgebiet Prämien erhalten können:

**1. Erweiterte Fruchtfolge**
Reihenkulturen wie Mais oder Zuckerrüben sollen höchstens einmal in vier Jahren angebaut werden, da sie als besonders erosionsanfällig gelten.
**Prämie: 50 Euro pro Hektar**

**2. „Erosionsschutz+“ beim Maisanbau**
Vor der Maissaat soll eine Zwischenfrucht mit mindestens vier Arten angebaut werden. Außerdem darf vor dem 28. Februar keine Bodenbearbeitung stattfinden. Zusätzlich soll Kalk zur Zwischenfrucht ausgebracht werden.
**Prämie: 200 Euro pro Hektar**

**3. Mais-Alternativen stärken**
Mehrjähriger Anbau von Klee, Luzerne oder Ackergras soll gefördert werden, um den Boden besser zu schützen.
**Prämie: 250 Euro pro Hektar**

Die Finanzierung übernimmt die Stadt Neustadt. Für das Pilotprojekt rechnet man mit Kosten von rund 6000 Euro pro Jahr.

### Zustimmung im Stadtrat – aber auch Diskussion über das Vorgehen

Im Stadtrat wurde das Projekt grundsätzlich positiv aufgenommen. Allerdings gab es auch kritische Nachfragen. So wollte Gerd Scheuenstuhl (FDP) wissen, ob die Landwirtschaft vor Ort bereits einbezogen worden sei. Herold erklärte, dass Gespräche mit den betroffenen Bewirtschaftern erst im nächsten Schritt geplant seien. Man habe zunächst mit dem Stadtrat klären wollen, ob das Projekt überhaupt gewollt und finanziell abgesichert ist.

Heike Gareis (SPD) sah genau darin einen Schwachpunkt. Aus ihrer Sicht hätte man zuerst mit den Landwirten sprechen sollen. Zwar sei klar, dass etwas getan werden müsse, doch nun könne ein gewisser Druck entstehen.

Andere Ratsmitglieder bewerteten das Vorhaben dagegen ausdrücklich als Chance. Reinhold Schultheiß (Grüne) betonte, dass Wasserrückhalt gerade in einer trockenen Region wie Neustadt wichtig sei und eine vielfältigere Fruchtfolge auch den Böden und damit den Betrieben zugutekomme.

Manfred Dietlein (SPD) verwies auf die konkrete Lage am Beerbacher Weg: Von dort fließe Wasser bis nach Rösleinsdorf und sorge dort immer wieder für Probleme in Kellern. Bürgermeister Alexander Müller (CSU) bestätigte, dass die „braune Brühe“ in diesem Bereich vielen bekannt sein dürfte.

### Teilnahme bleibt freiwillig

Ob das Projekt erfolgreich wird, hängt nun vor allem davon ab, ob sich genügend Landwirte beteiligen. Herold stellte klar, dass die Prämien nicht in jedem Fall sämtliche Mehrkosten ausgleichen werden. Es sei also auf die Bereitschaft der Betriebe angewiesen, mitzumachen. Sollte sich auf der vorgesehenen Fläche kein Interesse ergeben, könne notfalls auch ein anderer Bereich geprüft werden.

Ein Treffen mit den betroffenen Flächenbewirtschaftern soll nun zeitnah stattfinden. Dort könnten auch noch Anpassungen am Modell besprochen werden. Wenn sich die Pilotphase bewährt, wäre ab Sommer 2027 eine Ausweitung denkbar.

Der Neustädter Stadtrat nahm das Projekt schließlich einstimmig zur Kenntnis und gab die vorgesehenen 6000 Euro für den Haushalt 2027 frei. Einig war man sich allerdings auch darin, dass wohl noch einige Überzeugungsarbeit nötig sein wird – denn die Teilnahme bleibt freiwillig.

**Kommentar der Redaktion:**
Die Idee klingt erst einmal unspektakulär: weniger Erosion, bessere Fruchtfolge, mehr Wasserrückhalt. Aber genau solche Maßnahmen entscheiden oft darüber, ob bei Starkregen ein Acker Wasser schluckt – oder ob die Brühe am Ende im nächsten Keller landet. Dass Neustadt hier an einem bekannten Problemort ansetzt, ist sinnvoll. Jetzt kommt es darauf an, die Landwirte wirklich mitzunehmen. Denn am Ende hilft kein noch so gutes Konzept auf dem Papier, wenn es draußen auf dem Feld nicht angenommen wird. Oder anders gesagt: Der Boden mag der Schwamm sein – aber ohne Mitmacher bleibt auch der trocken.

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