Neues aus Hagenbüchach:

Bahnhof wird zum Treffpunkt für Genuss und Bewegung

+ Bahnhof Hagenbüchach: Vom Schandfleck zum Vorzeigeprojekt

* Neues Leben im Bahnhof: Café, Feiern, Gemeinschaft
* BewegGrund bringt Gesundheit und Balance ins Dachgeschoss

## Vom Schandfleck zum Schmuckstück: Der Hagenbüchacher Bahnhof ist heute ein Ort für Begegnung, Genuss und Bewegung

Wer heute am Bahnhof in Hagenbüchach vorbeikommt, sieht ein gepflegtes, einladendes Gebäude an der Bahnlinie Würzburg–Nürnberg. Kaum vorstellbar, dass der denkmalgeschützte Bahnhof noch vor rund zehn Jahren in einem erbärmlichen Zustand war. Inzwischen hat sich das frühere Sorgenkind der Gemeinde in einen vielseitig genutzten Treffpunkt verwandelt.

Im Erdgeschoss befindet sich heute eine Bäckereifiliale mit Café. Im ersten Stock stehen ein Gemeinschaftsraum sowie sanitäre Anlagen zur Verfügung. Der Bereich ist funktional gestaltet, per Aufzug barrierefrei erreichbar und kann für verschiedenste Zwecke genutzt werden. Auch private Feiern mit bis zu 35 Personen sind dort möglich. Bürgermeister David Schneider berichtet, dass der Raum unter anderem immer wieder für Trauerfeiern oder Konfirmationen genutzt wird.

Seit April ist auch das Dachgeschoss mit Leben gefüllt: Dort hat Monique Löb ihren „BewegGrund“ eröffnet. Die 51-Jährige ist unter anderem Schmerzcoach, Aromatherapeutin und verfügt über eine Reha-Sport-Ausbildung. In ihren Räumen bietet sie unter anderem Faszien-Yoga, Pilates, Schmerztherapie, Aromatouch-Massagen, Kakao-Zeremonien sowie Kurse zur inneren Balance und zur Regulation des Nervensystems an.

Monique Löb fühlt sich im Hagenbüchacher Bahnhof nach eigenen Worten „wie in meinem zweiten Zuhause“. Besonders freut sie sich darüber, dass sie die Räume anmieten konnte, nachdem diese frei geworden waren. Tina Förtsch von der Verwaltungsgemeinschaft Hagenbüchach-Wilhelmsdorf hatte sie damals auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht. Löb bewarb sich – und bekam die Zusage. Für die Wilhelmsdorferin ist der Standort ideal. Zusätzlich zu ihrem Angebot im „BewegGrund“ leitet sie auch Kurse beim TSV Emskirchen. Wer sich für ihre Angebote interessiert, kann sich unter der Telefonnummer 0176/31198857 melden.

Bürgermeister Schneider zeigt sich zufrieden, dass inzwischen alle Räume im Bahnhofsgebäude genutzt werden. Besonders stolz ist die Gemeinde darauf, dass die Sanierung des Gebäudes bereits 2016 mit dem Bayerischen Staatspreis für Land- und Dorfentwicklung ausgezeichnet wurde.

Rund 600.000 Euro investierte die Kommune in das im Jahr 1865 errichtete Gebäude. Damals war es gemeinsam mit der neu fertiggestellten Bahnstrecke entstanden. Unterstützung gab es durch stattliche Zuschüsse des Amts für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Ursprünglich beherbergte der Bahnhof einen Schalter- und Warteraum, ein Stellwerk sowie im Obergeschoss eine Wohnung.

Als das Gebäude für den Bahnbetrieb nicht mehr gebraucht wurde, begann sein Niedergang. Fahrkartenautomat und Unterstand im Freien reichten aus, moderne Technik machte die Stellwerke überflüssig. Der einst stolze Bahnhof verfiel zusehends. 2011 kaufte die Gemeinde das marode Gebäude von einem Privatmann, der es zuvor von der Bahn erworben hatte.

Im Zuge der Sanierung wurde das Gebäude vollständig entkernt. Alte Einrichtungen wie Schalter und Stellwerk verschwanden ebenso wie die einsturzgefährdete Treppe. Auch das Dach musste erneuert werden. Rund anderthalb Jahre dauerten die Arbeiten. Heute erinnert eine Fotowand im Erdgeschoss an den schlechten Zustand vor der Sanierung – aber auch an die Geschichte des Hauses.

Aus dem früheren Schandfleck ist so ein attraktiver Mittelpunkt für Hagenbüchach geworden. Nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort, sondern auch für Bahnreisende ist der Bahnhof heute wieder ein erfreulicher Anblick.

**Kommentar der Redaktion:**
Manchmal zeigt sich gute Kommunalpolitik nicht in großen Schlagzeilen, sondern in Gebäuden, an denen viele jahrelang nur noch vorbeigeschaut haben. Der Hagenbüchacher Bahnhof ist so ein Beispiel: früher Bruchbude, heute Café, Gemeinschaftsraum und Bewegungsort unter einem Dach. Und ganz ehrlich: Wenn ein alter Bahnhof statt Leerstand jetzt wieder Leben, Begegnung und sogar Yoga bietet, dann ist das für einen Ort oft mehr wert als jeder nüchterne Förderbescheid – auch wenn genau solche Fördergelder hier natürlich kräftig mitgeholfen haben.

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