Neues aus Mittelfranken:

Diespeck investiert Millionen in Abwasser und Infrastruktur

+ Diespeck plant 6,2-Millionen-Kredit für Pflichtaufgaben

* Abwasser-Investitionen treiben Haushalt an Belastungsgrenze
* Zuschüsse und Sparpläne sichern Diespecks Zukunft

# Diespeck stemmt Millionen-Haushalt: Kredit vor allem für Pflichtaufgaben und Abwasser

Ein Haushalt, der es in sich hat: Die Gemeinde Diespeck plant in diesem Jahr eine Kreditaufnahme von 6,2 Millionen Euro, um ihr umfangreiches Investitionsprogramm zu finanzieren. Klingt auf den ersten Blick nach einem schweren Brocken – doch im Rathaus macht man deutlich: Hier geht es nicht um Luxus, sondern vor allem um notwendige Pflichtaufgaben, allen voran im Bereich Abwasser und Infrastruktur.

Bürgermeister Markus Helmreich machte in der Sitzung klar, dass die Lage zwar anspruchsvoll sei, aber keineswegs leichtfertig entstanden sei. „Wir bauen kein goldenes Rathaus, sondern geben es für Pflichtaufgaben aus“, betonte er. Ein großer Teil der geplanten Kreditaufnahme entspreche nahezu exakt den Investitionen ins Abwasser. Diese seien für viele Bürgerinnen und Bürger zwar kaum sichtbar, gehörten aber zum unverzichtbaren Kerngeschäft einer Gemeinde.

Helmreich erklärte zudem, wie kommunale Finanzen im Idealfall funktionieren: Im besten Fall erwirtschaftet der Verwaltungshaushalt so hohe Einnahmen, dass Geld in den Vermögenshaushalt übertragen werden kann, um daraus Investitionen zu stemmen – und im Optimalfall bleiben sogar noch Rücklagen übrig. Dieses Ideal erreichen laut Helmreich bayernweit aber nur noch rund drei Prozent der Gemeinden.

Davon ist auch Diespeck ein Stück entfernt, wenngleich die gesetzlich notwendige Mindestzuführung in den Vermögenshaushalt geschafft wird. Wegen des straffen Investitionsprogramms müssen jedoch sowohl Rücklagen deutlich abgeschmolzen als auch Kredite aufgenommen werden. Helmreich formulierte es offen: „Die Zahlen sind nicht ganz ohne.“

Kämmerer Timo von Westberg ging anschließend ins Detail. Die Einnahmen der Gemeinde seien zwar stabil, gleichzeitig würden die Ausgaben in vielen Bereichen stark steigen. Als Beispiele nannte er höhere Kosten im Tiefbau, steigende Personalausgaben und die Kreisumlage. Letztere falle in diesem Jahr zwar vergleichsweise glimpflich aus, was aber auch an einer einmaligen Finanzspritze an den Bezirk liege.

Besonders deutlich wurde die Lage beim Blick auf den Investitionsspielraum: Ohne Kreditaufnahme und ohne Rücklagen blieben Diespeck gerade einmal gut 260.000 Euro für Investitionen. Tatsächlich liegt der Vermögenshaushalt jedoch bei rund 11,8 Millionen Euro – ein Rekordwert, der sogar den Verwaltungshaushalt übersteigt.

Allerdings kommt ein Teil der Investitionen nicht allein aus der Gemeindekasse. Für mehrere Projekte fließen Fördermittel. So soll Diespeck aus einem Infrastrukturprogramm des Bundes 500.000 Euro erhalten. Dieses Geld ist für ein konkretes Projekt vorgesehen: das Begegnungshaus. Rechnerisch kann dieses damit beinahe zum Nulltarif umgesetzt werden.

Ein Schwerpunkt bleibt der Bereich Abwasser. Der Anschluss an die Kläranlage in Neustadt, die Umwandlung der bisherigen Diespecker Kläranlage in ein Pumpenhaus sowie weitere Investitionen ins Leitungsnetz werden zu 80 Prozent über Gebühren finanziert. Ein Teil der Belastung bleibt aber dennoch an der Gemeinde hängen. Nach Angaben von Kämmerer von Westberg betrifft das rund ein Viertel der Ausgaben, unter anderem wegen der Straßenentwässerung.

Mit Blick auf die kommenden Jahre regte von Westberg an, im Herbst eine Haushaltskonsolidierungsrunde einzuberufen. Dort soll beraten werden, wie sich Einnahmen steigern und Ausgaben senken lassen. Für seine mittelfristige Finanzplanung habe er bei der Gewerbesteuer vorsorglich mit Steigerungen gerechnet – ausdrücklich nicht als Signal an die Betriebe, sondern als rein rechnerischen Ansatz, um den Haushalt darstellbar zu machen.

Trotz der angespannten Lage zeigte sich der Gemeinderat geschlossen. Alle Fraktionen betonten, dass die Investitionen notwendig seien, da sie in die Infrastruktur der Gemeinde fließen. Auch dem Kämmerer wurde ausdrücklich gedankt. Am Ende fiel die Entscheidung einstimmig: Der Haushalt wurde ohne Gegenstimme verabschiedet.

## Der Haushalt in Zahlen

**Verwaltungshaushalt:** 10 Millionen Euro
**Vermögenshaushalt:** 12 Millionen Euro
**Zuführung in den Vermögenshaushalt:** 470.000 Euro
**Rücklagen zum Jahresanfang:** 1,6 Millionen Euro
**Rücklagen zum Jahresende:** 500.000 Euro
**Kreditaufnahme:** 6,2 Millionen Euro
(davon 2 Millionen Euro aus Kreditermächtigungen der Vorjahre)
**Schuldenstand zum Jahresanfang:** 4,7 Millionen Euro
**Schuldenstand zum Jahresende:** 10,6 Millionen Euro
**Pro-Kopf-Verschuldung:** 2.839 Euro

### Wichtige Einnahmen im Verwaltungshaushalt
**Anteil an der Einkommensteuer:** 3 Millionen Euro
**Schlüsselzuweisungen:** 1,3 Millionen Euro
**Gewerbesteuer:** 1,2 Millionen Euro
**Grundsteuern A und B:** 430.000 Euro

### Wichtige Ausgaben im Verwaltungshaushalt
**Kreisumlage:** 2,4 Millionen Euro
**Personalkosten:** 1,1 Millionen Euro
**VG-Umlage:** 770.000 Euro
**Personalkostenzuschuss Kita:** 730.000 Euro

**Kommentar der Redaktion:**
Man kann über Millionenbeträge schnell die Stirn runzeln – vor allem, wenn am Ende ein Schuldenstand von über zehn Millionen Euro im Raum steht. Aber in Diespeck wird das Geld eben nicht für Prestigeprojekte verbrannt, sondern größtenteils für Dinge ausgegeben, die funktionieren müssen, auch wenn man sie nicht täglich sieht. Kanal, Kläranlage, Leitungsnetz – alles nicht gerade Instagram-tauglich, aber ziemlich wichtig, wenn man auch morgen noch eine funktionierende Gemeinde haben will. Kurz gesagt: Kein Glamour, aber Grundversorgung. Und die kostet bekanntlich selten weniger.

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