# BRK-Kreisverband im Landkreis: Sparen statt Sanierungsfall
**Pfeift der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes finanziell aus dem letzten Loch?** Ein anonymer Brief behauptet genau das – beim BRK selbst weist man diese dramatische Darstellung allerdings klar zurück. Fest steht dennoch: Ganz entspannt ist die Lage nicht. Warum im Verband jetzt über Einsparungen, Investitionen und mögliche Veränderungen gesprochen wird, das hat mehrere Gründe.
Neustadt an der Aisch – Ein anonymer Verfasser, der sich als „Ein Beteiligter der Vorstandssitzung“ ausgibt, sorgt mit schweren Vorwürfen für Unruhe im BRK-Kreisverband. Nach seinen Angaben sei der Verband seit drei Jahren in einem „massiven Minus“ und befinde sich in einer „existenzgefährdenden Schieflage“. Sogar von einem „Sanierungsfall“ und einem notwendigen „Sanierungsausschuss“ ist in dem Schreiben die Rede.
BRK-Kreisgeschäftsführer Ralph Engelbrecht zeigt sich über diese Darstellung überrascht – und durchaus verärgert. Wer auch immer hinter dem Brief steckt, habe offenbar ein Interesse daran, dem Verband zu schaden, sagt er. Von drei Verlustjahren in Folge könne keine Rede sein. Richtig sei allerdings, dass im vergangenen Bilanzjahr ein deutliches Minus entstanden sei. Gründe dafür seien unter anderem zusätzliche Aufgaben wie der Katastrophenschutz sowie die deutlich zurückgegangene Spendenbereitschaft. „Wir bekommen ja leider kein Geld vom Staat, wir sind auf Spenden angewiesen“, so Engelbrecht.
Eine existenzielle Krise sieht der Kreisgeschäftsführer dennoch nicht. Der Verband sei schuldenfrei und habe in den vergangenen Jahren regelmäßig aus eigenen Mitteln investiert. Für 2026 sei das zwar so nicht mehr möglich, doch von einem drohenden „Kahlschlag“ wolle er nichts wissen. Auch die Behauptung, gerade im Katastrophenschutz und im Ehrenamt solle nun besonders massiv gekürzt werden, weist er zurück. Man müsse zwar bei Ausbildung und Ausrüstung genau hinschauen, „was gerade geht und was nicht mehr“, aber: „Niemand muss Angst haben, wir sperren den Laden zu.“
Tatsächlich erwartet der Verband im laufenden Jahr laut Engelbrecht im schlimmsten Fall ein Minus von rund 300.000 Euro. Genau diesen Betrag nennt auch der anonyme Briefeschreiber als Einsparziel. Dass man angesichts solcher Zahlen nach Sparmöglichkeiten sucht, sei für ihn völlig nachvollziehbar. „Wenn wir Verluste machen, muss ich doch reagieren, oder?“
Einen „Sanierungsausschuss“ gebe es im Übrigen nicht, stellt der Kreisgeschäftsführer klar. Stattdessen arbeite eine Gruppe daran, alle Bereiche auf mögliche Einsparungen zu prüfen. Dabei werde auch auf die Kindertagesstätten und die Immobilien des BRK geschaut. Gerade bei Gebäuden gebe es aus seiner Sicht Handlungsbedarf. Als Beispiel nennt Engelbrecht die Rettungswache in Scheinfeld: Das Gebäude sei für die Zwecke des Verbands zu groß und zu teuer im Unterhalt. Ein Verkauf sei aber nicht beschlossen. Zudem gehöre das Grundstück dem Landkreis.
Auch BRK-Kreisvorsitzender Harry Scheuenstuhl nimmt zu den Vorwürfen Stellung. Er war nach eigenen Angaben ebenfalls bei der Sitzung dabei und erinnert sich an einstimmige Beschlüsse, auch bei den Themen Einsparungen und weitere Planungen. Streit oder Unsicherheit habe es nicht gegeben. Sollte der anonyme Briefschreiber tatsächlich anwesend gewesen sein, so Scheuenstuhl, dann habe er die Entscheidungen mitgetragen – und nun im Nachhinein anonym Kritik geübt.
Zu seiner Anonymität erklärt der Verfasser, er wolle „zum Schutz meiner Person und meiner Funktion im Verband“ nicht namentlich genannt werden. Für Scheuenstuhl ist das wenig überzeugend. Die Diskussionen seien offen, sachlich und fair verlaufen, abweichende Meinungen seien jederzeit möglich gewesen.
Neben Sparmaßnahmen stehen beim BRK im Landkreis aber auch neue Aufgaben an. So sollen für Diespeck und Ergersheim neue Rettungswachen entstehen, um die Einsatzwege zu verkürzen und die Versorgung zu verbessern. Das kostet allerdings ebenfalls Geld und Personal. Hinzu kommen tarifliche Lohnsteigerungen von sieben Prozent. Das sei einerseits verständlich, andererseits aber auch eine zusätzliche Belastung für die Kasse, sagt Scheuenstuhl.
Ein weiteres großes Problem seien die Kindertagesstätten. Sie seien kaum noch kostendeckend zu betreiben, ohne die Elternbeiträge stark zu erhöhen. Der staatlich vorgegebene Personalschlüssel, sinkende Kinderzahlen und steigende Gehälter setzten alle Träger unter Druck – neben dem BRK etwa auch AWO, Johanniter und Caritas. Dass langfristig auch beim Personal gespart werden müsse, will Scheuenstuhl nicht ausschließen. Engelbrecht bestätigt indirekt: Auch die Kita-Finanzierung werde zunehmend schwieriger. Der Verband müsse sich darauf einstellen, dass Defizite künftig womöglich nicht mehr vollständig ausgeglichen werden könnten.
Unterm Strich bleibt: Der BRK-Kreisverband steckt nicht in der Insolvenz, muss sich aber sehr ernsthaft mit seiner finanziellen Entwicklung befassen. Oder, wie Engelbrecht es zusammenfasst: „Wir müssen sparen, wir drehen an vielen Schrauben.“ Und genau das sei auch Sinn der Vorstandsgespräche gewesen.