**Rechenzentrumspläne in Hirschneuses bremsen sich an der Stromfrage aus**
In Hirschneuses bei Neuhof an der Zenn könnte ein großes Rechenzentrum entstehen – doch noch fehlt die entscheidende Zusage für den Netzanschluss. Gleichzeitig verfolgt die Horst Brandstätter Group in Dietenhofen ein eigenes Rechenzentrumsprojekt. Für die Region ist das Thema deshalb mehr als nur Technik: Es geht um Stromkapazitäten, mögliche Arbeitsplätze und die Frage, welche Projekte am Ende überhaupt umgesetzt werden können.
### Zwei Vorhaben, ein Engpass
Nach Angaben von Bürgermeisterin Claudia Wust ist in Hirschneuses ein Rechenzentrumsprojekt mit Beteiligung des US-Unternehmens Anthropic geplant. Im Raum stehen laut den vorliegenden Berichten Investitionen von bis zu vier Milliarden Euro. Für das Vorhaben genannt werden außerdem eine Fläche von rund sieben Hektar, etwa 80 qualifizierte Arbeitsplätze und ein möglicher Betriebsstart Anfang 2028.
Entscheidend ist jedoch die Stromversorgung. Wust sagte dem Bayerischen Rundfunk zufolge, dass die benötigte Netzkapazität bislang nicht zugesagt sei. Stattdessen seien verfügbare Kapazitäten zunächst für ein anderes Rechenzentrumsprojekt im Raum Dietenhofen reserviert worden. Das Projekt in Hirschneuses liege deshalb derzeit auf Eis.
### Dietenhofen setzt auf „Playmobil digital“
Das zweite Vorhaben stammt von der Horst Brandstätter Group, also dem Unternehmen hinter Playmobil. Auf dem früheren Produktionsgelände in Dietenhofen soll unter dem Namen „Playmobil digital“ ein Rechenzentrums-Campus entstehen. Dabei handelt es sich um einen Standort mit mehreren Gebäuden und technischer Infrastruktur, die auch von anderen Unternehmen genutzt werden können.
Nach Unternehmensangaben ist das Gelände bereits an eine 110-Kilovolt-Leitung angebunden. Für den ersten Ausbauschritt seien 100 Megawatt Netzkapazität zugesagt. Wie viele dauerhafte Arbeitsplätze dort entstehen könnten, wurde in den vorliegenden Berichten nicht beziffert. Ende Juni 2026 wurde die Spielwarenproduktion in Dietenhofen geschlossen; 350 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.
### Warum der Stromanschluss so wichtig ist
Rechenzentren brauchen nicht nur Platz, sondern vor allem viel Energie. In den Hallen laufen große Mengen an Servern, die Daten speichern, Programme ausführen und digitale Dienste bereitstellen. Dazu kommen Kühlung, Sicherheitstechnik und leistungsfähige Datenleitungen.
Gerade die Kühlung ist ein zentraler Punkt: Server erzeugen viel Wärme, die abgeführt werden muss. Deshalb reicht es nicht aus, dass Strom grundsätzlich vorhanden ist. Leitungen und Umspannwerke müssen die Leistung auch am konkreten Standort aufnehmen und weiterleiten können.
Für Hirschneuses wurden laut den vorliegenden Angaben zunächst 63 Megawatt beantragt. Später soll ein Anschluss mit bis zu 100 Megawatt im Gespräch gewesen sein. Bürgermeisterin Wust schlug vor, die verfügbare Kapazität auf beide Projekte zu verteilen – also zunächst jeweils rund 50 Megawatt.
### Hoffnung auf Wärme für Hirschneuses
Mit dem Projekt verbindet sich in Hirschneuses außerdem die Idee einer künftigen Wärmeversorgung. Nach den vorliegenden Angaben könnte die beim Betrieb entstehende Abwärme für ein Nahwärmenetz genutzt werden. Das wäre grundsätzlich möglich, braucht aber passende Leitungen, Abnehmer und je nach Temperatur zusätzliche Technik.
Für die örtliche Versorgung wäre das nur dann ein echter Vorteil, wenn das System auch gebaut und langfristig betrieben wird. Als gesichert gilt das bislang nicht. Es handelt sich weiterhin um eine Überlegung im Zusammenhang mit dem Rechenzentrumsprojekt.
### Was das für die Region bedeutet
Für die Menschen in Neuhof an der Zenn und im Raum Dietenhofen steht viel auf dem Spiel. Sollte eines der Projekte realisiert werden, könnten neue Gewerbesteuern, Aufträge und Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig bleiben Fragen offen: Wie stark wären Bau und Betrieb vor Ort spürbar? Welche Verkehrsströme wären zu erwarten? Und wie verbindlich sind die Aussagen zu Wärmeversorgung und regionalem Nutzen?
Dass zwei große Vorhaben um dieselben Netzkapazitäten konkurrieren, zeigt außerdem: Digitale Infrastruktur hängt immer stärker von ganz realen örtlichen Ressourcen ab. Ohne Stromanschluss bleiben selbst milliardenschwere Pläne zunächst nur Pläne.
Ob Hirschneuses und Dietenhofen am Ende beide umgesetzt werden können, ist nach dem derzeit bekannten Stand offen.
**Quellen:** BR24, dpa-AFX/finanznachrichten.de, IBM, Anthropic, Claude-Hilfe, N-ERGIE Netz, Internationale Energieagentur (IEA), Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)